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Dewezet Classics: Das Staatsorchester Braunschweig begeistert mit einer Auswahl der Humperdinck-Oper

The Best of Hänsel und Gretel

Hameln. Zuweilen muss das Fazit eines Konzerts am Anfang des Berichts stehen. So wie heute: Das zweite Dewezet-Classics-Konzert war ein voller Erfolg. Mit Ausschnitten aus Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ und Mozarts 38. Sinfonie lockte das Programm die Musikfreunde an wie ein offenes Honigglas die Bienen. Entsprechend gut besucht war dann auch das Konzert – und wer den Weg in Hamelns Theater gefunden hatte, konnte das Staatsorchester Braunschweig in deutlich ausgeprägter Spiellaune erleben.

veröffentlicht am 09.12.2015 um 15:47 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:44 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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Am Pult hielt Christopher Hein die Fäden in der Hand und verstand es glänzend, sie allgemein verständlich zu ordnen. Unprätentiös und hoch konzentriert steuerte er die Musiker durch die stellenweise durchaus knifflige Partitur. Da erfreuten dynamisch wie agogisch fein abgestufte Details ebenso wie das spannend konturierte Fugato der Streicher im Kopfsatz. Den Gestus des Andantes realisierte Hein im klassischen Geist ohne romantisierende Übersteigerung und präsentierte danach das filigran durchgestaltete Presto-Finale vom Orchester glänzend umgesetzt. Ein Konzertbeginn, der zu einer köstlichen halben Sternstunde gereicht hätte, denn länger als kaum 30 Minuten dauert diese nur dreisätzige Mozart-Sinfonie nicht. Da liegt die sprichwörtliche Würze tatsächlich in der Kürze. Leider wurden (vermutlich zur Korrektur der sonst ins Ungleichgewicht dümpelnden Spieldauern vor und nach der Pause) Wiederholungen eingefügt, die nicht in der Partitur stehen, die das Werk zwar verlängerten, gleichzeitig aber auch verwässerten. Ein Eingriff in den Urtext, der sich im Sinn der Werktreue verbietet.

Nach der Pause dann stiefelten sie kostümiert und vergnügt auf die Bühne: „Hänsel und Gretel“ (alias Mirella Hagen und Janine Metzner), um mit „Suse liebe Suse“ ein mit Gesten untermaltes „Best of“ von Humperdincks beliebter Märchenoper für Erwachsene einzuläuten. Nur vier Jahre nach ihrer Uraufführung wurde sie zum ersten Mal verfilmt – als Stummfilm – und im Ranking der weltweiten Opernaufführungen steht sie nach wie vor ganz oben.

Die konzertante Aufführung in Hameln begann natürlich mit der Ouverture. Es folgten fast alle Ohrwürmer: Der Abendsegen. Das Männlein, das im Walde steht. Der Hexenritt und der Knusperwalzer. Insgesamt eine repräsentative Auswahl, in der Kenner der Oper sicher das eine oder andere vermissten, aber so ist das halt mit einer Auswahl. Dafür waren durchweg schöne Stimmen zu hören: Mirella Hagen und Janine Metzner sangen den bekannten Abendsegen so klar und ohne sentimentale Anmutung, dass er gerade deshalb seine Wirkung voll entfaltete. Ein Höhepunkt des Abends.

Anne Schuldt sang die Partie der Mutter mit großem Mezzosopran, der in Wagnerpartien bestens aufgehoben ist. Gleiches trifft auf die Stimme des ukrainischen Baritons Oleksandr Pushniak zu, der jedoch als Familienvater leider ebenso wie seine Operngattin dermaßen an den Noten klebte, dass selbst für die kleinste, bei konzertanten Opernaufführungen obligate Spielunterstützung durch Mimik und Gestik kein Raum mehr war.

Zum unumstrittenen Star des Abends wurde der auf den großen internationalen Bühnen heimische Tenor Michael Pflumm in der Rolle der Hexe. In seinem fantastisch voluminösen Kostüm standen ihm zur Schauspielerei lediglich die mit lackierten Fingernägeln verzierten Hände zur Verfügung. Aber mit ihnen und im Verbund mit der Körperhaltung samt Trippelschrittchen einer Alten und natürlich mit seiner ausdrucksstarken Stimme entfesselte Pflumm ein wahres Feuerwerk. Eine tolle Hexe – und viel zu schade zum Verbrennen! Am Ende gab es langen Beifall für alle Darsteller, das Orchester und seinen hervorragenden Dirigenten Christopher Hein.



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