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Profis arbeiten mit Laien für Tanztheater-Projekt

Tänzerische „Heimatsuche“

HAMELN. Was ist Heimat? Ist sie unser Haus, die Straße, in der wir wohnen, unsere Stadt oder das Land? Oder ist Heimat dort, wo Freunde und Familie wohnen? Dieser Frage geht ab Januar das Tanzprojekt „tanzwärts!“ im Theater Hameln nach. Laien arbeiten hier mit Profis.

veröffentlicht am 13.08.2018 um 18:02 Uhr

Arme gemeinsam in die Höhe – Ausschnitt aus einem tanzwärts!-Projekt. foto: Bettina Stöß
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

„Heimatsuche“ ist die große Tanzaufführung überschrieben, die Laien gemeinsam mit Profis innerhalb von sechs Wochen erarbeiten. Uraufgeführt wird die Zusammenarbeit im Rahmen der Tanztheatertage mit dem Tanztheater Staatstheater Braunschweig am Sonntag, 17. März.

Mitmachen kann bei diesem „Community Dance Projekt“ jeder, der Lust hat – eine Altersgrenze gibt es nicht. Geworben hat das Theater schon bei Schulen. Und eine achte Klasse der Integrierten Gesamtschule (IGS) ist bereits dabei. Klassenlehrer Jakob Huber sieht es als große Chance für die Schüler, denn Tanz und Theater bedeute auch neue Konstellationen, neue Rollen innerhalb der Klassengemeinschaft. Diese sei an der IGS sehr heterogen und oft mit Problemen behaftet. Insofern sei „ein körperlicher Diskurs etwas ganz anderes, als ein theoretischer“.

Auch für den künstlerischen Leiter des Projekts, Tiago Manquinho, ist das Thema eine Herzensangelegenheit. Für den Portugiesen, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt und als Tänzer und Hauschoreograf am Staatstheater Braunschweig arbeitet, gibt es nicht die eine Heimat.

Gregor Zöllig, Braunschweigs Tanztheaterleiter Chefchoreograf foto björn Hickmann
  • Gregor Zöllig, Braunschweigs Tanztheaterleiter Chefchoreograf foto björn Hickmann

Mit Laien zu arbeiten hat aus seiner Sicht einige Vorteile: Sie agieren authentischer, frischer. Gregor Zöllig, Braunschweigs Tanztheaterleiter Chefchoreograf , beschreibt es anhand einer Geste: „Stellen sie sich einen älteren Menschen vor, der einem jüngeren die Hand auf die Schulter legt.“ Niemand könne das authentischer rüberbringen als Laien. „Sie bringen eine Authentizität in Gesten und Spiel mit, die Profis oft nicht haben“, ergänzt Manquinho.

Mitbringen, so Zöllig, müsse man für das Projekt nur Lust, Mut und die Bereitschaft, sich für sechs Wochen mit Haut und Haar zu verpflichten. Fünf Tage die Woche für drei bis vier Stunden.

Um tänzerische, beziehungsweise körperliche Höchstleistungen soll es dabei aber nicht gehen. Eher um Selbstbesinnung, sagt Tiago Manquinho. Darum, Individualität und Stärken zu entdecken und sie auf der Bühne umzusetzen.

Dass die IGS mitmacht, freut die Profis besonders, weil die Klasse eine besondere gesellschaftliche Bandbreite mitbringe. Die Hoffnung: ein lebendiger Diskurs. Und in der Folge: eine veränderte Sicht auf das Theater als Ort, diesen Diskurs auszutragen. „Wo haben wir sonst so eine so gute Gelegenheit, uns auf diese Weise zu begegnen?“, fragt Theaterleiter Wolfgang Haendeler. Die IGS hatte in den Sommerferien eine tolle Bewerbung geschrieben und auch andere Schulen zeigten Interesse, haben aber noch nicht verbindlich zugesagt. In Braunschweig, so Zöllig, bewerben sich Schulen inzwischen initiativ, um mitzumachen und ergänzt: „Das ist so eine geile Chance“. Begleitet wird das Projekt vor Ort von Projektkoordinator Mathias Lindner, der am Theater Hameln bereits bei einem Community Dance Projekt involviert war.

Finanziell unterstützt wird „tanzwärts!“ im Rahmen des Tanzland-Fonds für Gastspielkooperationen. Über einen Zeitraum von drei Spielzeiten gibt es insgesamt sieben Kooperationen im Hamelner Theater: Zwei große Tanz-Gastspiele der Braunschweiger Compagnie, drei Kinder- und Jugendtanzstücke und zwei Community Projekte. Die von Theaterdirektor Wolfgang Haendeler und Braunschweigs Tanztheaterleiter Chefchoreograf Gregor Zöllig konzipierte Zusammenarbeit wird mit 50 000 Euro bezuschusst.


Wer Interesse hat, kann sich bei Mathias Lindner unter E-Mail: ma5li5@yahoo.de anmelden. Ein erstes Treffen findet am Sonntag, 20 Januar, im Theater statt. Probenbeginn ist am Montag, 4. Februar.



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