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Die „Neue Göttingen Gruppe“ brilliert bei der Matinee der Bibliotheksgesellschaft

Starke Reime, steile Texte, fette Prosa

Hameln. Kein Zweifel, sie sind Wortjongleure und Sprachakrobaten der Extraklasse. Ihren äußerst kurzweiligen Wortwitz würzen sie mit einer ordentlichen Prise bissiger Politsatire. Und sie können zubeißen. Ihr Name, „Neue Göttinger Gruppe“, erinnert an jene Finanzhaie, die seinerzeit Tausende ums sauer Ersparte brachten.

veröffentlicht am 16.09.2013 um 17:08 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Ernst August Wolf
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Ob Glossen, Parodien, Spottgedichte, Lyrik oder Prosa – die Satiriker aus Göttingen sind fernab jedweder Trivial-Comedy vor allem einem verpflichtet: dem Spaß am Wort.

In einer Lesung in der Matinee der Bibliotheksgesellschaft Hameln entzückte das Trio jetzt mit ebenso abwechslungs- wie geistreichen Texten. Unverkennbar spielen die drei mit kindlichem Spaß mit immer neu variiertem Wortmaterial. Mal lyrisch wie der aus Hameln stammende Sprachwissenschaftler Dr. Klaus Pawlowski, mal humorvoll-balladesk wie der baumlange Reinhard Umbach, mal voller spöttischer, listig-frecher Aggressivität wie der freie Schriftsteller Peter Köhler.

„Wir sind eben passionierte Wortspieler, das vereint uns“, gesteht Klaus Pawlowski. „Unsere Themen kommen nicht ausschließlich aus dem politischen Bereich. Wir sind umfassender, interessieren uns für die kleinen Dinge des Lebens, natürlich auch für Angies Kette und Peers Stinkefinger, doch auch für Tiere, Fußball und natürlich die Liebe.“

Die rund 40 Besucher waren rundum entzückt von Umbachs Analyse des Kanzler-TV-Duells („Eigentlich hatte ich einen Tatort erwartet, und dann das, ein Tatort ohne Waffen“) oder von Köhlers Prosatext über die Vor- und Nachteile des Stadt- und Landlebens. Pawlowski nahm in einer Erlkönig-Variante die Gefahren übermäßigen Medienkonsums auf die Schippe, und Köhler erntete Lacher mit Verona Poths Pseudoweisheit: „Von der Zukunft erwarte ich, dass sie so wird, wie sie bis jetzt war.“

Mit ihren Veröffentlichungen in der „taz“ haben die drei Satiriker überregionale Aufmerksamkeit erreicht. Mit seiner Kritik an den polnischen Kaczynski-Brüdern, die er als „neue polnische Kartoffeln“ verspottete, beschwor Köhler seinerzeit gar diplomatische Aktivitäten auf höchster Ebene herauf. Das freilich war beim amüsanten und wortgewaltigen Auftritt in der Pfortmühle nicht zu befürchten.



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