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Heddy Maalems neue Choreografie bei Tanztheater International

Stampf um dein Leben

Hannover. Irgendwann, nach gut einer Dreiviertelstunde, passiert es doch: Ein Mann und eine Frau bewegen sich unendlich zart und erotisch, biegen ihre Körper, tanzen umeinander und miteinander. Es ist ein Pas de deux der modernen Art – ein gefühlvolles Duett an einem Abend, an dem es sonst vor allem um Wut und Trauer, um Hass und Machtkämpfe geht. In seiner Arbeit „Éloge du puissant royaume“ (Lob auf das mächtige Königreich) zeigt Choreograf Heddy Maalem junge Tänzer, die kraftstrotzend um ihren Platz in der Welt ringen – und irgendwann ihre Verletzlichkeit offenbaren.

veröffentlicht am 03.09.2013 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

Martina Sulner
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Auf der leeren Bühne der Orangerie stampfen die Tänzer – drei Männer, zwei Frauen – immer wieder wild mit den Füßen auf. Dieses Stampfen, das Herumschlackern der Arme und Hervordrücken der Brust sind typisch für diesen Abend beim Festival Tanztheater International. Für seine jüngste Arbeit, die jetzt als deutsche Erstaufführung in Hannover zu sehen war, hat Maalem mit sogenannten Krumpern gearbeitet. Krump nennt man einen relativ neuen, ziemlich aggressiven Tanzstil, der in den Ghettos von Los Angeles entwickelt wurde. Er wirkt wie eine Hardcore-Version von Breakdance.

Der Choreograf, Sohn eines Algeriers und einer Französin, probiert in seinen Arbeiten immer wieder Neues aus. Vor Jahren hat der frühere Boxer, der schon das vierte Mal Gast des hannoverschen Festivals ist, hier seine eigenwillige „Sacre-du-Printemps“-Bearbeitung gezeigt.

Jetzt also die „Éloge“. Die Choreografie beginnt unspektakulär: Ein Tänzer kommt auf die Bühne, steht vorne, bis in die Fingerspitzen gespannt. Nach und nach tauchen die anderen Mitglieder der Compagnie auf – schon beginnt das Balgen und Balzen. Jeder kämpft sich in den Vordergrund, jeder (auch die Frauen) probt Macho-Gesten – und dennoch wirken die Tänzer meist eher verzweifelt und aufbegehrend als kraftprotzig. Das liegt in erster Linie daran, dass die ruckartigen Bewegungen oft extrem verlangsamt sind. Und es liegt an der Musik.

Riesenapplaus für einen großartigen Abend.

Tanztheater International geht heute und morgen um 20 Uhr weiter mit „Borderline“ von Sébastien Ramirez & Honji Wang in der Orangerie Herrenhausen.



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