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Getragen von Musik und Bild – Tanzstück „Unstable“ ein visuelles Erlebnis

Stabiles Spiel mit Instabilem

HAMELN. Ungewöhnlich – geradezu spektakulär, bevor es überhaupt anfing: die Stille, obwohl Schulklassen das Parkett bevölkerten. Dann ein krachender Donnersschlag mit grollendem Nachhall. Nur langsam erhellt sich die Bühne, werden fünf Personen sichtbar in einem schemenhaften Bild, das an Caspar David Friedrichs „Die gescheiterte Hoffnung“ erinnert.

veröffentlicht am 19.03.2019 um 16:33 Uhr
aktualisiert am 19.03.2019 um 17:20 Uhr

Das Ensemble des Staatstheaters Braunschweig bewegt sich auf labilem Boden: schräge Flächen aus Resopalplatten. Foto: geb
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Autor

Richard Peter Reporter

Weiße, geschichtete Resopalflächen von Hannes Hartmann und Leonie Mohr ausgelegt. Sie waren der Grund, dass das Jugendstück der 10. Hamelner Tanztheatertage am Dienstagvormittag mit dem Ensemble des Staatstheaters Braunschweig nicht, wie vorgesehen, im TAB stattfand.

Eine beeindruckende Geräuschkulisse von Sergej Maingardt. Auf den Donner-Schock schräge Töne, wie wir sie von alten Zügen in Kurvenlage kennen – dann elektronisch raffiniert verfremdet, was als „singende Säge“ bekannt wurde. Aus wechselnden Lautsprechern, die auch im Parkett verteilt sind, prägnante Ton-Collagen. Nur langsam kommt Bewegung auf die Bühne.

„Unstable“, das Tanzstück von Anna Konjetzky – das für instabil, schwankend und labil steht. Auf unsicherem Grund der Versuch die Balance zu halten – nicht zu kippen, abzustürzen. Bis sich das Haltlose verselbstständigt – sich ins bewusst Unbeständige entwickelt. Nicht mehr der Versuch auszubalancieren – wie Betrunkene krampfhaft versuchen, nicht zu schwanken – jetzt als Spiel, als bewusste Erfahrung. Die immer wieder unvermittelt in kurzen Tanz-Episoden münden.

Tänzer liefern beeindruckende gleichermaßen spielerische wie tänzerische – immer körperbeherrschte Leistung

Anna Konjetzky versucht ihr Thema auszuschöpfen, durch Wiederholungen zu intensivieren – ihre fünf Solisten, drei Frauen und zwei Männer – in immer neuen Situationen zu zeigen, bewusst auszustellen. Sie zusammentreibt in gegenseitige Hilfestellungen – erst paarweise, dann zunehmend als Gruppe, um so Stabilität zu demonstrieren.

Tanztheater Unstable

16 Bilder
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Quelle: GEB

Knäuelbildung, die immer wieder auseinanderbricht – und einmal, beeindruckend, eine Figur, die sich ganz bewusst befreit. Sich aus der Gruppe löst. Und „Unstable“ spielerisch überwunden – mit dem Instabilen stabil gespielt. Besiegt – und die Schrägen lustvoll erlaufen, akrobatisch bewältigt. Und die Begrenzung des Bildes peu à peu hinter sich gelassen. Über den Rand abgetaucht. Fast wie eine Befreiung und das Instabile überwunden.

Darum geht es Anna Konjetzky in ihrer so geschlossenen Choreografie, die dennoch in den Gruppen-Raffungen zu oft Standards wiederholt. Da droht die Spannung einzubrechen.

Dann aber die fast unerträgliche Steigerung zum Finale. Und ein Ensemble mit Alice Baccile, Brendon Feeney, Josuah Haines, Ursina Mathéus und Brigitte Uray alles andere als instabil. Eine beeindruckende gleichermaßen spielerische wie tänzerische – immer körperbeherrschte Leistung. Ein visuelles Erlebnis – getragen auch von Musik und Bild - und alles zusammen reizvoll stabil „Unstable“.



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