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Das Wilhelm-Busch-Museum widmet Karl Valentin Ausstellungen und eine Vorlesungsreihe

Sprach-Anarchismus und boshafte Heiterkeit

Hannover. „Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen“, notierte Theodor W. Adorno; bezogen auf Karl Valentin könnte dieses Zitat nicht treffender sein. Den 1882 in München Geborenen und Wilhelm Busch verbinden viele Gemeinsamkeiten: der Schopenhauersche Pessimismus, die boshafte Heiterkeit, Lust an der Katastrophe und die schadenfrohe Freude daran, dass etwas schief geht.

veröffentlicht am 24.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 01:21 Uhr

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Autor:

Klaus Zimmer
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Die Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum über Karl Valentin ist ein Volltreffer, denn besser und gründlicher kann man sein Leben und Werk uns „Nordlichtern“ nicht in Erinnerung bringen. Valentin hat nicht nur als Komiker und Kabarettist gearbeitet, er war auch Autor und Filmproduzent. Mit seinem Sprach-Anarchismus näherte er sich dem Dadaismus.

Die große Ausstellung spiegelt den medialen Facettenreichtum des Werks von Karl Valentin, seine ästhetische Modernität als Künstler zwischen den Medien. Mit seiner spindeldürren Statur, seinen zu kurzen Anzügen, den Auftritten zwischen den selbstgezimmerten, paradoxen Bühnenmöbeln, inszenierte er sich als lebende Karikatur, tüftelte mit Liesl Karstadt am deutschen Groteskfilm.

Außerdem zu sehen: Busch und Darwin

Revolutionär zeigt sich die zweite Ausstellung „Zoologia Comica“: frappierende Bühne mit origineller akustischer Begleitung. Auch die kaum bekannte Kunde von Gemeinsamkeiten Wilhelm Buschs mit dem berühmten Forscher Charles Darwin (1809-1882) ist keine „Ente“ – die Bienenkönigin gab den Anstoß. Busch hat, nachhaltig beeinflusst von der revolutionären Schöpfungsgeschichte durch den Forscher, in den Bildergeschichten „Schnurrdiburr oder die Bienen“, der „Knopp-Trilogie“, vor allem in der Geschichte „Fipps der Affe“ den Darwinschen „struggle for Life“ in seinen grotesk-komischen Bildern entfaltet.

Rückblickend auf die früheste Begegnung mit Darwin nennt Busch seinen Onkel als Mittler, denn dieser machte seinen Neffen zum Bienenkenner. Anschaulich hat es Busch im „Fipps“ auf seine Weise vorgetragen, denn die Darwinsche Lehre entsprach seiner tiefen Überzeugung von der animalischen Verwurzelung menschlicher Motive.

Last but not least: Auch die Karikatur feiert ihren fröhlichen Einstand mit „Hurra, die Krise ist vorbei!“ des Zeichnerduos Greser & Lenz und der Sammlung „Geist des Geldes“ der Areal Bank.

Zu sehen bis 2. August, jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr (Tel. 05 11/16 99 99-11).

Karl Valentin und Liesl Karlstadt spielten 1929 in Walter Jervens Komödie „Der Sonderling“ die Hauptrollen.

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