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„arche“-Künstler gestalten ihre Frühjahrsausstellung in der Galerie am Haspelmathturm

Spiel mit Gegensätzen

veröffentlicht am 28.04.2019 um 20:18 Uhr

So vielfältig ist die Frühjahrsausstellung der „arche“-Künstler, dass die Auswahlkriterien laut Prof. Wulf Schomer (kl. Bild) gar nicht in allen Details wiedergegeben werden könnten. Fotos: geb
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Richard Peter Reporter
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HAMELN. Sprichwörtlich April mit seinen so vielfältigen Ausdrucksformen aufs Künstlerische übertragen. Sozusagen Vielfalt auch in die Galerie am Haspelmathturm geholt. Und dort – janusköpfig auch das: der Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten, wie er in der Frühjahrsausstellung der „arche“-Künstler wie selbstverständlich seit Freitagabend präsent ist und andererseits die Begrenzung, wie sie Prof. Wulf Schomer in seiner, wie immer brillanten Einführung ansprach: Unmöglich allen ausgestellten Arbeiten auch nur annähernd gerecht zu werden. Oder auch nur die Kriterien zur Hängung mehr als zu streifen.

Dennoch fand Schomer die Balance zwischen Würdigung der darstellerischen Mittel und Wirkungen – und dem, was via Einführung, auch stehend, erfahren und aufgenommen werden kann. Eine Ausstellung, der es gelingt, die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten einer breit gefächerten Künstlergruppe in eine bildhafte, auch mit Gegensätzen spielende Reihung zu bringen, die sich dem Betrachter sinnlich erschließt und die Künstlergruppe bei allen unterschiedlichen Ansätzen dennoch als Einheit erscheinen lässt. Auch als einheitlich spürbare Qualität.

Das beginnt an der dominanten Längswand der „arche“-Galerie mit vier Arbeiten von Hans Manhart. Umformungen, filigrane, grafische Strukturen und ein dominant fixierendes Auge, das den Blick des Betrachters zurückwirft. Manhart führt uns, so Schomer, vom „Abbildhaften ins Bildhafte“ – ein „sinnvoller Beginn für eine Ausstellung, der es ja um Wahrnehmung und Sehen geht“, wie er formulierte.

Daneben drei übereinander gehängte Arbeiten von Wiltrud Krämer in denen sich, so Schomer, „Linien, Flecken und Flächen über grafische Brücken miteinander verbinden“. „Trojaner“ als Titel, die auf Verborgenes verweisen. Angela Skorka vom amtierenden „arche“-Chef als „virulenteste und lebendigste Figurenmalerin“ bezeichnet, zeigt eine Gruppe von vier Frauen. Faszinierend, wie Skorka die Bildnisse einsetzt, am auffälligsten eine Halbfigur mit Augenmaske. „Fremde Geschöpfe“ – und doch irgendwie vertraut, wie auch die „bühnenlastige“ Anordnung in „Blau und Orange“ – und was die Farbaussage betrifft, an den Expressionismus deutscher Prägung erinnert.

Als „Farben des Verzichts“ benennt Schomer das Grau und getrübte Ocker in Volker Heines Bild „Abkehr“. Und „Wandlung“ von Frank Reimann als „skripturale Setzungen“ bezeichnet. Helmut Dohrmann mit seiner Schwarz-Weiß-Radierung „Scheune“. Ein „Meister der Durchdringung“, wie ihn Schomer nannte, der an der Stirnwand selbst mit drei Arbeiten vertreten ist, wie sie aktueller, brennender nicht sein könnten.

Vor allem das mittlere Bild „Ende der Ewigkeit – sterbende Gletscher“. Bittere Erfahrung auf seinen Reisen in die Arktis. Eine beängstigende Serie der „Auflösungen“, deren Ästhetik nicht beruhigt.

Eine Art Erzählbild von Lars Kuntzag mit „Zeiträume“ mit einem verschiebbaren Rechteck und Streifenbändern, ein Graffito abgelöst von Schriftbildern aus Briefen und schließlich Nägel mit einem jeweils veränderten Schattenbild als „Zeitraum“. Daneben „Sprachlos“ von Hans-Jürgen Thoms – ein Warteraum mit isolierten, auf sich und ihre Handys fixierten Menschen. Meike Lothmann mit „Sprungturm“. Neue Sachlichkeit als Kälteprodukt. Altmeister Josef Apportin mit „Partitur forte“ – eine seiner typischen rhythmisch geprägten Strukturbilder. Hans Sasse mit seinem Diptychon „Echo-Plus“ – „Echos von Zeiträumen“, wie Schomer sie verstanden wissen will.

Eindeutig dominant im Turm-Zimmer: Gisela Gührs „Teezeit“, eine Art Dreifach-Vorhang aus gebrauchten Teebeuteln. Alltags-Müll ästhetisch neu verwirklicht. Als Ergänzungen: Foto-Arbeiten von Andreas Hoppe, Monika Kleinert und Matthias Waldeck.

Auf der Galerie: kleinformatige Collagen von Claude Sikora, darunter „Dont talk“ und Edda Zesin aus der Dunkelphase wieder im poetisch Hellen angekommen. Susanne Otte mit experimentellen Materialdrucken und drei Fotos von Bernd Schlüter, die der „Poesie des Banalen“ verpflichtet sind. Drei kleine Meisterwerke von Wolfgang Raddatz – „bildnerische Elemente im Raum“. Schlusspunkt mit Irene Apportin und „Gegen die Windmühlen kämpfen“. Fast ein bisschen als Motto.



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