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So richtig ernst und albern genommen

Hannover. Alexander Charim, der Mozarts "Cosi fan tutte" in der Staatsoper Hannover neu inszeniert hat, verzichtet auf die so wenig glaubwürdigen Verkleidungen der beiden jungen Offiziere, die ihre Bräute auf die Probe stellen. Am Schluss haben die Paare ihre Partner gewechselt. Dennoch kein Happyend in diesem Verwirrspiel der Gefühle. Vor allem die beiden Darstellerinnen, Dorothea Maria Marx als Fiordiligi und Monika Walerowicz als Dorabella wurden, wie auch die Dirigentin Karen Kamensek wurden vom Publikum gefeiert, wie es in der Besprechung von Richard Peter heißt.

veröffentlicht am 26.12.2012 um 13:56 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 08:41 Uhr

ku
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Von Richard Peter

Hannover. Nichts als Spiel um eine Wette – und ein böses dazu. Und mehr: Chaos der Gefühle. Zwei Paare, die sich sicher sind. Ganz sicher: ihrer Liebe, ihrer gemeinsamen Zukunft. Vor allem die beiden jungen Offiziere Guglielmo und Ferrando. Und sich so auf eine perfide Wette einlassen. Weil sie überzeugt sind und recht behalten wollen gegen den lebenserfahrenen Don Alfonso, der von Frauen-Treue nicht allzu viel hält. Unter dem Vorwand ihrer Einberufung verlassen die beiden ihre Bräute Fiordiligi und Dorabella. Ein tränenreich-verlogener Abschied. Doch die beiden Offiziere kommen zurück. Verkleidet.
 Alexander Charim verzichtet in seiner Inszenierung von Mozarts Dramma giocoso „Cosi fan tutte“ auf Verkleidung im großen Stil. Will erst gar nicht die ewige „Cosi“-Diskussion, ob beide Bräute ihre Verlobten nicht erkennen müssten. Die tauschen nur die Haarfarbe und die Sakkos. Der Blonde ist der Schwarze, der als Blonder agiert.
 Die Bühne – für Charim das vertraute Elternhaus der jungen Damen, in das sie gerade wieder eingezogen sind. Überall noch Umzugskartons. Eine Art Puppenstube, in der ein Spiel stattfindet. Keine Komödie. Demontage. Charim nimmt ernst, weil Mozart ernst nimmt. Die Frage bleibt, ob der geniale Komponist das auch visuell so ernst genommen haben wollte – oder eher auf Gegensätze setzt? So driftet das Stück, das ja auch exzessiv mit alten Komödientraditionen spielt, manchmal gefährlich in Strindberg-Nähe. Was ihm nicht immer bekommt. Vor allem nicht, wenn sich die beiden „Heimkehrer“ wie die letzten Rüpel aufführen, handgreiflich werden. Da ist der Rasierschaum als Ejakulations-Projektion nur noch ein i-Tüpfelchen. Spätestens da müssten die beiden hochkant rausfliegen. Da wird nicht ernst, nur albern genommen – und Mozart verloren aus dem Graben, wo sich die Ernst-Schwere auch bei Karen Kamensek spiegelt.
 Ein Sechs-Personen-Stück. Wie so oft in der „Cosi“ – was wäre sie ohne Fiordiligi und Dorabella. Auch in der Staatsopern-Premiere am Samstag vor Weihnachten. Dorothea Maria Marx als Fiordiligi „so standhaft wie der Felsen“ um nur ein paar Szenen weiter zu gestehen „Hab Mitleid, mein Liebster, verzeih den Irrtum einer liebenden Seele“ – eine der schönsten unter den so vielen schönsten Mozart-Arien und auch hier einer der Glücksmomente der Aufführung. Nahe dran auch Monika Walerowicz als Dorabella, die manchmal zu viel mit ihrer Stimme will und dennoch, auch durch ihr Spiel, eine wunderbare Dorabella.
 Zwiespältiger die Despina von Carmen Fuggiss, die ihre erste Arie „Von Männern, von Soldaten...“ allerdings bravourös singt. Was bei Christopher Tonkin als Guglielmo vor allem spielerisch nicht überzeugt – auch wenn er, ohne den Macho-Hampelmann zu mimen, ein paar gute Szenen hat – ist bei Sung-Keun Park als Ferrando die Stimme. Über weite Strecken klingt sie gepresst – vor allem auch in der Arie „Un‘ aura amorosa“, dem „Odem der Liebe“, der doch strömen sollte. Zumindest hier noch. Und Michael Dries als Don Alfonso – eher ein Sonyboy als desillusionierter Philosoph, der erst am Schluss Gewicht bekommt.
 Apropos Schluss: seltsam offen bei Charim. Die Pärchen haben die Partner gewechselt. Und das ganze Experiment: Für die Männer allemal ein Flop – der programmiert war. Entweder die Damen bleiben treu, dann haben sie zwar eine Wette gewonnen, aber als Liebhaber und Aufreißer versagt. Im umgekehrten Fall bleibt der Glaube an die Liebe auf der Strecke. Na bitte: „Cosi fan tutte“ und wahlweise „fan tutti“. Denn die Mannsbilder sind kein bisschen besser. Und das Ganze ein riesiger Pallawatsch.

 4 Die nächsten Aufführungen am 29. Dezember, sowie am 10. und 12. Januar 2013



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