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Ausverkaufte TUI-Arena in Hannover

So nice and rough maunzt und röhrt nur Tina, Tina!

Von Jens Meyer

veröffentlicht am 05.02.2009 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 12:21 Uhr

Tina Turner, die rockende Wuchtbrumme: Sie trifft jeden Ton und
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Hannover. Es war irgendwann im vergangenen Jahr irgendwo in Südfrankreich irgendwie zwischen Käffchen und Sahnetorte. Sophia Loren hatte die Stirn in Falten gelegt und redete Tina ins Gewissen: „Schluss mit Ruhestand. Du musst wieder auf die Bühne.“ Einer Rampensau wie Anne Mae Bullock, der das Scheinwerferlicht ohnehin besser schmeckt als Sahnetorte, sagt man das nicht zweimal. „Sophia, thank you. Goodbye.“ Weg war sie. Tournee planen.

Sie schwebt auf einer

Mini-Plattform einher

Jetzt steht sie da auf einer kleinen Plattform hoch oben in der TUI-Arena an Hannovers Expo-Plaza. 12 000 Zuschauer jubeln ihrer Tina Turner zu. „Steamy Windows“ singt sie, ungesichert, nur an einer Stange festhaltend schwebt sie langsam auf diesem bedeutungsschwangeren Quadratmeter Bühne einher. Vier heiße Tänzerinnen in Hotpants und Bustier gekleidet wackeln mit Busen und Hintern. Tina wackelt mit. „Steamy Windows“ stimmt. Brillenträgern beschlagen echt die Gläser. Und wer glaubt, dass Tina Turner mit ihren 69 Jahren nicht genau so heiß ist wie ihre Tanzgarde, irrt: Sie sieht toll aus. Sie wird sich im Laufe der zweistündigen Show sieben Mal umziehen. Sie wird in Leggings, Glitzerkleidchen und Mad-Max-Filmkostüm hinreißend singen. Sie wird bei „Goldeneye“ eine Riesentreppe herunterstöckeln, ja gewissermaßen in ihrer unnachahmlichen Art liebstöckeln, ohne auf die Stufen achten zu müssen. Sie wird bei „Proud Mary“ nice and rough sein wie in den Sechzigern. Sie wird mit „Help“ die TUI-Arena kollektiv in Gänsehaut hüllen. Sie wird sich mit den Fingern durch die Wuschelmähne fahren und den Jubel in sich aufsaugen.

Bilder fliegen vorbei auf Großbildschirmen. Mick Jagger, David Bowie, Bryan Adams. Menschen wie ihnen hat sie viel zu verdanken. Bis Anfang der achtziger Jahre war Tina Turner am Boden. Dann kam das Jahrhundertalbum „Private Dancer“ und alles wurde anders. Von Ike, ihrem prügelnden Ex-Ehemann, der nichts als Musik gemacht und Mist gebaut hat, sind nur ein paar Songs geblieben. Ike wird längst vom Teufel durch die Hölle gejagt. Tina entfacht das Feuer hier noch heute, mühelos mit großer Geste im Original-Filmkostüm auf einem Endzeitkäfig mit „We don’t need another hero“ als auch in der Jam-Session im Kreise ihrer Musikerschar mit „Let’s stay together“ und dem Blueskracher „Undercover agent for the blues“, der Tina Turners Hausgitarrist John Miles zur Hochform auflaufen lässt – Miles ist es nämlich, dessen erste und letzte Liebe „Music“ heißt (ja, genau der). Doch die Band, so gut sie auch spielt, bleibt stets im Hintergrund. Das liegt an Tina, Tina, Tina! Mit der Präsenz eines Urknalls maunzt, röhrt und singt sie in moll und Dur grenzenlos gut und wird eins mit der Musik. Rihanna und Konsorten, die jungen Dinger von heute, hätten sich schon drei mal auf die Klappe gelegt, nicht so diese Lady: Sie hat ein Mikro mit Kabel gewählt; die Strippe scheint so etwas wie ein Navi für die Show zu sein. Wunderbar, wie sie es wie ein Lasso schwingt und kein einziges Mal stolpert. Alte Schule auf einer herausragend konstruierten Bühne. Tänzerinnen, Rapper, Flammenwerfer – das hier ist kein Rockkonzert, es ist eine Show, eine Inszenierung, ein Rock-Theater, von dem die vielleicht bewundernswerteste Frau im Business beim nächsten Kaffeeklatsch mit Sophia schwärmerisch erzählen kann.



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