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Landestheater mit Loriots Werken

So ernst komisch

Hameln. Auch wenn es sich natürlich nicht vergleichen lässt: Aber Loriot schlägt „Schwanensee“ um Längen. Zumindest was den Besuch betrifft. Volles Haus am Samstagabend für „Loriots Gesammelte Werke“. Herrlich alltäglich – und so gar nicht Alltag. Ein Konzentrat vergleichbarer, durchaus vertrauter Situationen. Konzertbesuch als Einstieg, bevor richtig eingestiegen wird und so nie wirklich stattfindet. Aber genau so ablaufen könnte. Eine Lieblingsszene, wenn „Er“ nur dasitzt und schlicht nichts macht – auch nichts machen will. Nur dasitzen. „Feierabend“. Ein Zustand, der die meisten Frauen nervös macht. Weil sie immer etwas machen. Ausnahmen nur, um die Regel zu bestätigen. Loriots Humor hat etwas Vertracktes, extrem Eigenes. Sehr ähnlich wie bei Karl Valentin, dem Münchner Original. Der Lottogewinner Herr Lindemann ist aus demselben Holz geschnitzt wie der Buchbinder Wanninger. Und immer verheddert sich wer in der Sprache – ob bei den „Parkgebühren“ oder die Ansagerin einer englischen Serie – eine der Glanznummern von Evelyn Hamann.

veröffentlicht am 13.12.2015 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:44 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Ganz typisch: „Das Ei“, das bei viereinhalb hausfraulich gefühlten Minuten mal halbroh, mal hart ist. Und die „Roulade“ – allemal des Deutschen Lieblingsgericht – mit Endlosfaden. Da genügt ein knapper halber Meter und schon kann man erinnerungsträchtig mitreden. Selbst bei den beiden Herren im Bad – die Loriot-Nummer schlichtweg – die sich so niemals gegenübersitzen würden, aber wenn: genau so. Entchen inklusive. Und vorzuschlagen: die Bundestagsrede als Neujahrsbotschaft anstelle der Kanzlerrede zu senden. Ein Geniestreich. Und wahnsinnig komisch, wenn’s nicht so traurig real wäre. Man könnte bei Loriot statt zu lachen immer auch weinen. Und erschrecken. Brillant vorgeführt, wie ein gemütlicher Abend unter Freunden vom eben beküssten „Du“ wieder im „Sie“ endet, nur weil sich die Herren den „Kosakenzipfel“ teilen müssen. Und so endet der so vergnügliche Abend wie er begonnen hatte: im Publikum. Weil es ja genau das ist, was hier gemeint wird.

Was die Aufführung so sympathisch macht: Das Ensemble, zwei Frauen und vier Männer, findet die Balance, die selbst in der krassen Übertreibung noch glaubhaft ist. Weil sie ernst nehmen, was da so komisch und skurril über die Rampe schwappt. Keine Parodie der Parodie, aber standhaft jeden Blödsinn perfekt durchgestanden. Die Pointen genau kalkuliert, so nebenbei, als wären sie keine. Kompliment an das Ensemble des Westfälischen Landestheaters und den Regisseur Gert Becker. So funktioniert Loriot. Ob Julia Gutjahr und Burghard Braun in „Feierabend“, Guido Thurk artistisch in „Roulade“, die Bundestagsrede von Vesna Buljevic und Felix Sommer als Konzertbesucher oder Bülent Özdil als sprechbegabter „Bello“ – sie alle in verschiedensten Rollen. Und in der einen so gut wie in der anderen. Ein höchst amüsanter Abend. Und Humor der liebenswertesten Art. So böse er manchmal auch menschelt.

„Das Ei ist hart!“ Auf der Hamelner Bühne führten Loriots bekannten Alltagsbeobachtungen zu neuen Lachern.

Volker Beushausen



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