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Wilhelm-Busch-Museum präsentiert: Winsor McCay – Comics, Filme und Träume

So bekam das Bild eine eigene Literatur

Hannover. Im New York um 1900 ging es den Zeitungen noch richtig gut, als hier drei schwerreiche Verleger mit allen Mitteln um die Gunst des Publikums kämpften. Die Metropole mit ihren über drei Millionen Einwohnern avancierte zu einem Labor des Zeitungsmachens. Für die sündhaft teuren Sonntagsblätter erfanden die besten Zeichner des Landes ihre komischen (daher der Name „Comics“) oder auch besinnlichen Geschichten. So erhielt das Bild eine eigene Literatur.

veröffentlicht am 18.03.2012 um 13:25 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

Klaus Zimmer
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Den meisten Deutschen war jedoch „Max und Moritz“ schon zur Hauslektüre geworden, bevor der Comic-Klassiker Wilhelm Busch durch „Katzenjammer Kid“ des Amerikaners Kerr einen Nachfolger bekam, dem dann Autoren wie Winsor McCay (1869-1934), Schöpfer des „Little Nemo im Slummerland“ folgte, der am Ende jeder Geschichte in seinem Bett aufwacht, und mit dem König Morpheus und andere Traumgestalten ihren Schabernack spielten: bis heute immer noch einer der schönsten Comics.

Der 1869 geborene Winsor McCay hat wie kaum ein anderer die „Neunte Kunst“ in der Vielfalt ihrer Möglichkeit durchmessen. Er gehört zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts, der das noch junge Medium Comic maßgeblich geprägt hat. Mit ihren 180 Exponaten vermittelt die Ausstellung einen komplexen Überblick über das Oeuvre einer großen Begabung.

Winsor McCay sollte Bürokaufmann werden. Das hatten seine Eltern erwartet. Doch mit dem richtigen Gespür folgte McCay seiner zeichnerischen Leidenschaft. Und sein ungewöhnliches Talent wurde auch bald erkannt von John Gooddison, Professor für Kunst an der Michigan State University – und durch ihn gefördert. Als McCay dann 1903 nach New York kam, war er bereits ein etablierter Zeichner. Weil die Fotografie sich noch als unbrauchbar erwies, konnte McCay mit seinem akkuraten, drastischen Stil, seinem Gespür für Information und Sensation die Medien, vor allem die Leser, begeistern. Ein Künstler, der sein Metier beherrschte.

Erstaunlich ist bei allen Arbeiten McCays die thematische und motivische Nähe zu Sigmund Freuds „Traumdeutung“ (1900). und eine Bildsprache, die man viel später bei René Magritte oder Salvador Dali erkannte. Mit seinen Comics wollte McCay die höchsten ästhetischen Ansprüche und technischen Bedingungen der Massenproduktion verwirklichen, dazu kam sein entscheidender Einfluss auf die Entwicklung des Films, die ersten Zeichentrickfilme der Filmgeschichte wie „Gertie the Dinosaur“ (1914).

Geniale Bildfindungen, Auseinandersetzung mit Träumen und Alpträumen, wie in den beiden Hauptserien „Little Nemo in Slummerland“ und „Dream of a Rarebit Fiend“. Außerdem: die Vorführung aller fünf Filme lassen das Gesamtwerk von Winsor McCay zu einem Augenschmaus werden.

Bis 3. Juni, Di.-So. 11-18 Uhr.



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