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Malia ist ins Licht zurückgekehrt

Singen gegen die Dunkelheit

HANNOVER. Vor 15 Jahren lief Malia in ihrem frechen Video zu „Purple Shoes“ nur mit High Heels an den Füßen – und zwei eingefügten Balken – unbekümmert-provokant durch Paris. Seitdem ist sie durch einen langen Tunnel gegangen. Nun steht sie wieder im Licht, nicht nur auf der Bühne wie soeben im Pavillon in Hannover.

veröffentlicht am 02.12.2018 um 18:40 Uhr

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Vom Martin Jedicke
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Eine schöne Szene: Alexandre Saada hat seinen Ellenbogen auf den Flügel gestützt und genießt das Spiel der drei Streicherinnen – Alice Bourliers Geige und Mathilde Sternats Cello, zunächst gezupft, dann gemeinsam mit Laurence Baldinis Bratsche gestrichen. Es ist Saadas Arrangement, doch sein Lächeln und sein Applaus gelten den Ausführenden, die die Sängerin Malia im Pavillon in Hannover begleiten. Der Song heißt „Maddy“ und stammt von dem aktuellen Tonträger „Ripples“, ein Remake ihres zweiten Albums „Echoes of Dreams“. Das klang damals eher nach Tina Turner und war ein Rückschritt nach dem gefeierten Debüt, das einen neuen Stern am Jazz- und Soul-Himmel versprach.

An diesem Abend stehen die umarrangierten Lieder von „Echoes of Dreams“ im Mittelpunkt. Die am Popmarkt orientierte Instrumentierung ist einer Innerlichkeit gewichen, die viel Raum lässt für Malias wunderbar rauchig-tiefe, aber auch Höhen erreichende Stimme. Sie habe die Tragweite der Texte damals gar nicht recht begriffen, sie hätten heute für sie eine Bedeutung, die auf der Lebenserfahrung einer 40-Jährigen basiert. Geprägt durch eine Kindheit im ostafrikanischen Malawi, Rassismus-Erfahrungen als Tochter einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters, mit 14 Jahren ein Neustart in London, der Weg zur Musik,
Beziehungspech und Eheglück, eine Tochter – und dann der dreimal auftretende Brustkrebs. Sie habe dem Tod ins Auge gesehen, sagt sie vor der Zugabe, John Lennons „Imagine“. Und singt über die wichtigen Dinge im Leben, über das Individuum als Teil des großen Ganzen. Es ist ein Singen gegen die Dunkelheit. Das ist nicht nur metaphorisch gemeint, denn nach einigen eher nachdenklichen Liedern und Ansagen lässt Malia das Saallicht hochdimmen.

Die Interaktion mit einem sichtbaren Publikum tut der Künstlerin gut. Sie lacht herzlich, strahlt Lebensfreude aus, streut aufgeräumte Lieder ein wie „Marriage Is for Old Folks“, den launigen Abgesang an weibliche Abhängigkeit, oder „Feeling Good“ mit Stakkato-Streichern und einem Rhythm-’n’-Blues-Klavieranschlag. Die Songs stammen aus ihrer Beschäftigung mit Nina Simone, neben Billie Holiday ihr großes Vorbild. Darunter die berührende Lesung von Randy Newmans „Baltimore“, eine bittere Ode an eine sterbende Stadt und Showcase für Saadas Klavierspiel zwischen seelenvoller Melancholie und dramatischer Klimax im Mittelteil. „Two Fugitives“ erinnert an Edward Hoppers Gemälde „Nighthawks“, eine Barszene gestrandeter Nachtschwärmer. Gloria Gaynors „I Will Survive“ wirkt in der zurückgenommenen Version eindringlicher als in der ursprünglichen. Ihr Bedürfnis, sich und ihr Weltbild differenzierter auszudrücken, ist deutlich zu spüren.

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