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Marlene Jaschke spielt im ausverkauften Weserberglandzentrum mit dem „Ring“

Siegfrieds Strumpfhose und die Wagner-Pizza

Hameln. Warum den „Ring des Nibelungen“ wie in Bayreuth in 16 Stunden und 32 Minuten aufführen, wenn es auch in 93 Minuten geht? Marlene Jaschke schrieb zunächst Herrn Wagner („Ein wenig durcheinander muss er schon sein, bei der Handlung!“) einen Brief. Und zeigte den 500 Zuschauern im ausverkauften Weserbergland-Zentrum am Dienstagabend trotz ihres zurückhaltenden hanseatischen Ausdrucksstils den Bühnenrekord: Sie interpretierte den „Ring“ auf ihre Weise und verkörperte Gott Wotan, Rheingold, Fricka, Siegmund und Sieglinde.

veröffentlicht am 21.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 08:54 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Nebenbei erfuhr das Publikum etwas von den Qualen ihres Festspielbesuches mit Freundin Hannelore. Wie sie sich dort nach stundenlangem Sitzen ihrer Schuhe entledigte und so einen eigenartigen Geruch freisetzte – es roch nach Weihnachten, weil sie doch Einlagen mit Zimtaroma trug. Von Hannelore, der Wagner-Liebhaberin, erzählte sie gern und leicht biestig. Als diese sich im Internet bei der Partnervermittlung 50 plus („Vermittlung ganz schwerer Fälle“ und „Alter Braten sucht junges Gemüse“) anmeldete und eine Enttäuschung erleben musste, wollte Marlene sie doch glatt mit einer Wagner-Pizza trösten.

Der Bogen zum Nibelungenring war immer gespannt. Auch mit dem Eheleben von Schwager Werner und seiner Gerda („Die haben vor 29 Jahren geheiratet, bis der Tod sie scheidet. Und jetzt warten sie. Da passiert nichts mehr!“) zog sie einen Vergleich zu Wotan und Fricka. Brunhilde verkörpernd, ließ sie es sich nicht nehmen, sich ihren Siegfried im Publikum selbst auszusuchen. So kam Torsten Herms aus Hannover unverhofft zu einem Bühnenauftritt, genoss stürmischen Applaus und musste von Marlene Jaschkes leicht erotischem Wunsch erfahren, dass sie ihn sich gut in einer grünen Strumpfhose vorstellen könne.

Ihr Publikum hat Marlene Jaschke bis auf einige alte, unnütze Kalauer wie dem vom Skelett beim Zahnarzt, gut unterhalten können. Das wird wohl wiederkommen – für 93 Minuten allemal.

Spielte gleich mehrere Figuren aus Richard Wagners „Ring des Nibelungen“: Marlene Jaschke. Foto: fn



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