weather-image
23°

Verdient die Terrormiliz „Islamischer Staat“ mit illegalem Kunsthandel Millionen? Fragen an US-Expertin Deborah Lehr

„Sie nehmen meist alles mit“

Wie groß ist das Ausmaß des illegalen Handels mit antiken Kunstwerken, den der IS betreibt?

veröffentlicht am 09.04.2015 um 17:56 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:36 Uhr

270_008_7702881_ku_201_1004_is.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Es handelt sich um einen Schwarzmarkt, es ist sehr schwer zu unterscheiden, was legal und was illegal ist. Allein der legale Handel mit Antiquitäten aus Ländern, in denen der IS aktiv ist, bringt Milliardensummen ein. Außerdem haben wir herausgefunden, dass seit der Revolution in Ägypten 2011 Stücke im Wert von drei Milliarden Dollar geplündert worden sind. Für den Irak und Syrien, wo es viel mehr Plünderungen gab, muss man glauben, dass die Zahlen dort noch viel höher sind. Auch bei den Statistiken über den legalen Handel sehen wir starke Anstiege: Zwischen 2012 und 2013 ist das Importvolumen für Kunst und Antiquitäten aus der Türkei in die USA um rund 80 Prozent gestiegen, aus Ägypten um 56, aus Syrien um 134, aus dem Irak um 492 und aus dem Libanon um 58. Für diese Länder liegt es jetzt zusammengerechnet bei 95,2 Millionen Dollar.

Was verkauft der IS aus welchen Ländern?

Der IS benutzt Zerstörungen und Plünderungen als Mittel der Einschüchterung. Er geht gezielt gegen Kulturen vor, die ihrer Einschätzung nach ihrem Glauben widersprechen. Unseren Informationen zufolge nehmen sie meist alles mit, was sich von diesen Kulturstätten wegschaffen lässt. Entweder plündern sie selbst oder rufen andere dazu auf. Größere Strukturen zerstören sie. Solche Plünderungen und Zerstörungen wurden schon aus Ägypten, dem Irak, Syrien, dem Jemen, Libyen, Mali und Tunesien gemeldet. Uns besorgt nicht nur die Zerstörung der Kulturgüter, sondern auch der Aspekt der Einschüchterung, denn der ist ein Hinweis darauf, dass es hier um kulturelle Säuberung geht – und das ist ein Frühindikator für ethnische Säuberung.

Wie läuft der Handel ab?

Der IS schafft die Stücke über ein Netzwerk aus den Ländern, unseren Erkenntnissen nach häufig über die Türkei oder den Libanon. Dann geht es über organisierte, hoch entwickelte Verbrechensnetzwerke. Wenn diese Kanäle erst mal etabliert sind, kann man darüber alles laufen lassen – Drogen, Waffen, Menschen oder eben Antiquitäten. Im Fall von Ägypten wurden kleinere Stücke über Ebay verkauft, größere über Auktionshäuser. Bei Syrien sehen wir, dass es einen großen Internetmarkt gibt. Die einzelnen Stücke kosten bis zu einer Million Dollar oder sogar noch mehr.

Wer kauft solche Antiquitäten?

Es gibt eine große Nachfrage in Europa, den Vereinigten Staaten – dem größten Markt für legale Antiquitäten –, den Golf-Staaten, Japan und China.

Wie kann dagegen vorgegangen werden?

Es muss gemeinsame Anstrengungen geben. Wir unterstützen, dass die Unesco die Vorgänge als Kriegsverbrechen einstuft und dass der Internationale Strafgerichtshof dagegen vorgeht. Der UN-Sicherheitsrat hat eine Resolution verabschiedet, die alle Länder auffordert, ihre Grenzen für syrische Antiquitäten zu schließen. Wir fordern, dass dieses Verbot auf alle betroffenen Länder in der Region ausgeweitet wird. Außerdem organisieren wir gemeinsam mit der Unesco, der ägyptischen Regierung und dem Middle East Institute in Washington eine Notfall-Konferenz in Kairo, wo darüber beraten werden soll, was die Region gemeinsam unternehmen kann.

Interview: Christina Horsten

Auf ihrem Feldzug zerstört die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) einzigartige Kulturgüter. Große Stücke werden zertrümmert, kleinere abtransportiert und verkauft. Der IS nutzt organisierte Verbrechensnetzwerke, das Internet und Auktionshäuser – und verdient damit Millionen, wie Deborah Lehr vom Verband Antiquities Coalition im Interview erklärt.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?