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Kabarett-Legende Dieter Hildebrandt im Dewezet-Interview

Sein Ziel: Menschen zum Nachdenken zu bringen

Stadthagen. Legende, Urgestein, Altmeister, Idol – das sind Begriffe, die gebraucht werden, wenn es um Dieter Hildebrandt und seine Bedeutung für das politische Kabarett in Deutschland geht. Schließlich steht er seit den fünfziger Jahren auf den Kabarett-Bühnen der Republik. Er gründete die Münchner Lach- und Schießgesellschaft und ist so etwas wie der Pate der Kabarett-Szene. Sein neues Programm zeigt er am Freitag, 6. Mai, um 20 Uhr im Ratsgymnasium Stadthagen. Cord Wilhelm Kiel sprach vorab mit dem Kabarettisten.

veröffentlicht am 02.05.2011 um 16:14 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 20:21 Uhr

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Herr Hildebrandt, wie kommt Ihr neues Programm zu seinem Namen „Ich kann doch auch nichts dafür!“?

Das ist ein Satz, den ich immer wieder gehört habe, wenn etwas schieflief oder jemand mit etwas nichts tun haben wollte. Ob es sich um die Deutsche Bahn handelt, bei der wieder einmal etwas nicht geklappt hat, oder die Bundeskanzlerin, die wieder einmal keine Lösung für ein wichtiges Problem weiß. Ich will aber damit auch sagen: Ich habe ebenfalls keine Lösungen …

Das klingt beinahe resigniert. Wie beurteilen Sie denn die politische Situation?

Die Ratlosigkeit der Wähler, die der Politik zusehen, ist heute genauso groß wie die Ratlosigkeit derer, die diese Politik betreiben. Wir sind zwischen aktiven und passiven Politikern im Patt. Es müssten ständig Neuwahlen stattfinden – zu denen dann aber doch wieder die immer gleichen Protagonisten antreten würden wie zuvor, so dass sich durch diese Wahlen nichts verändern würde. Die Lage ist so, dass man den Spruch „Ich kann doch auch nichts dafür“ von allen Seiten hört.

Wollten Sie, der seit so vielen Jahrzehnten den Politikern auf den Zahn fühlt, denn nicht schon einmal selbst Politik machen?

Nein, Gott bewahre! Ich habe mir durch meinen Beruf die absolute Freiheit, das sagen zu können, was ich sagen will, selbst geschenkt. Diese Freiheit möchte ich mir nicht nehmen lassen. Wäre ich Politiker, hätte ich diese Freiheit nicht.

Sie gelten als Urvater des politischen Kabaretts in Deutschland. Mögen Sie diesen Titel?

Wenn ich mir anschaue, wie ein Urgestein aussieht – also meistens ziemlich bröckelig, und verwittert –, dann ist diese Bezeichnung wenig schmeichelhaft. Manche sagen auch, ich sei eine Legende, aber Legenden sind doch Geschichten, Märchen! Ich bin kein Märchen und auch keine Geschichte – ich bin ganz real da. Es ist aber richtig, dass ich seit vielen Jahren Menschen zum Nachdenken anrege – mir sagen heute oft Menschen, die mich vor Jahren oder Jahrzehnten gesehen haben, dass ich ihr politisches Denken beeinflusst habe.

Wie beurteilen Sie die Gattung Comedy und die vielen Comedians, die medial sehr präsent sind?

Die Gattung ist ja nicht neu, sondern der englische Begriff dafür. Ein Comedian hieß früher Komiker. Und Komik sowie Komiker habe ich immer geschätzt und schätze sie auch heute noch, denn es gab und gibt sehr gute Komiker. Das politische Kabarett hat sich aber andere Ziele gesetzt: Fest gefügte Meinungen einmal von einer anderen Seite zu betrachten, und dadurch Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Das ist immer mein Ziel gewesen.

Um die Nachfolge des „Scheibenwischers“, Ihrer wohl populärsten TV-Kreation, gab es Auseinandersetzungen. Die Sendung heißt jetzt „Satiregipfel“ und wird von Dieter Nuhr moderiert. Wie gefällt Ihnen das?

So, wie sich der „Satiregipfel“ im Moment gibt, halte ich ihn nicht mehr für politisches Kabarett. Das war schon unter Mathias Richling erkennbar, aber seitdem Nuhr Gastgeber ist, umso mehr. Ich schalte nur noch selten ein.

Lesen Sie online das komplette Interview mit Dieter Hildebrandt.

Hält sein neues Programm für schneller und rasanter als frühere Darbietungen: der Kabarettist Dieter Hildebrandt. Foto: Daniel Schäfer



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