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Frank Turner feiert mit Folk-Punk-Rock und 1600 enthusiastischen Fans

„Seid netter zueinander“

HANNOVER. „Be More Kind“ heißt das neue Album von Frank Turner. Und der Titelsong fungiert gleichzeitig als Botschaft zur Gegenwart. In Zeiten zunehmender Egozentrierung, einer auseinanderdriftenden Gesellschaft und gewaltbereiter Gruppierungen, ob verbal im rechten Politlager oder körperlich bei den Ultras in den Fußballstadien, kann die simple Parole angebracht erscheinen: Seid netter zueinander.

veröffentlicht am 12.11.2018 um 16:47 Uhr

Frank Turner singt im ausverkauften Capitol 25 Songs, die von den 1600 enthusiastischen Fans fast durchgehend mitgesungen wurden. foto: jed
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Martin Jedicke Reporter
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Turner geht voran. Kredenzt den dicht gedrängt stehenden Fans 25 Songs. Alte oder neue – ganz egal: Die 1600 enthusiastischen Gäste im lange ausverkauften Capitol singen (oder besser grölen) fast durchgehend mit. Denn Turner hat ein Programm zusammengestellt mit nur ganz wenigen ruhigeren Momenten, wie etwa bei „Be More Kind“. Meist aber haut er die Songs raus, oft nicht länger als drei Minuten dauernd, ganz in Punk-Tradition. Gitarrensoli? Igittigitt.

Dabei hat der Mann so gar nichts Punkiges an sich. Abgesehen von den Tattoos an Armen und Händen wirkt der 36-Jährige wie eine Mischung aus dem Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni und Nationalspieler Mats Hummels. Letzterer entschuldigte seine mäßige Leistung vom Samstag mit einer Grippe. Turner aber ist topfit. Links und rechts des Mikrofonständers hat er zwei kleine Podeste platziert, worauf er immer wieder springt. Auch jenseits dieser Erhöhungen hüpft er wie aufgedreht herum, inklusive Stagediving.

Auf den Händen der Fans geht es einmal durch den Saal und wieder zurück zur Bühne. Oder er schließt sich dem „Circle“ der Fans an und rennt mit ihnen in einem Kreis herum. Bereits beim zweiten Song entert er den Fotograben. Meist hat er sich eine Akustikklampfe umgehängt, vor allem in seinem kurzen Soloteil, mitunter greift er zur elektrischen Gitarre, unterstützt von seiner langjährigen Band „The Sleeping Souls“.

Stimmung und Haltung mögen Punk sein, Turners Anliegen sind die eines Singer/Songwriters. „You can’t fix the world, if all you have is a hammer“, singt er in „1933“, einer Warnung vor aufkeimendem Faschismus.

Spätestens seit der Engländer 2012 bei der Eröffnungsfeier zu den Olympischen Spielen in London auftrat, kennt ihn die Musikwelt. Die schätzt ihn dafür, dass seine Show nicht nur im Stadion, sondern genauso in einem Pub funktionieren würde. Denn die Songs über die kleinen Unzulänglichkeiten des Lebens wie „Plain Sailing Weather“ haben durchaus Identifikationspotential.

Ein abschließendes Feuerwerk bietet der Zugabenblock mit dem tröstenden Pophit „Don’t Worry“, dessen Refrain sich schon mitsingen lässt, bevor man ihn zu Ende gehört hat, mit dem melancholischen Rückblick auf vergilbte „Polaroid Picture“, mit „I Still Believe“, der Ode an den Rock ’n’ Roll, und mit „Four Simple Words“, die da lauten: „I want to dance“. Daran fehlt’s kaum am Sonntagabend. Schließlich ist das kollektive Tanzen auch eine Form des netten Umgangs miteinander: „Be more kind, my friends, try to be more kind.“



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