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Aufgekratzte Reggae-Sause in der Sumpfblume

Sebastian Sturm: Er spazierte, sang und siegte

Hameln. Eigentlich sollte das Konzert schon längst laufen, als ein junger Mann in dunkler Jacke mit Trolley-Koffer an der Hand durch den Saal spaziert, beinahe schon schlendert: ausgeglichen; munter; ruhig – wie es scheint. Der junge Mann, das ist Sebastian Sturm, der in Reggae-Kreisen als frischer Wind gefeiert wird. Der Koffer, er ist so etwas wie sein Tourbus. Denn die Jin Jin Band, die mit ihm inmitten der rabiaten Hamelner Regen-Windböen-Fusion eine herzliche Sommerparty anzettelt, ist schon vor Stunden angekommen.

veröffentlicht am 10.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 04:41 Uhr

Autor:

Julia Marre
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„You waste too much time on living on your mind“, besingt Sebastian Sturm die jamaikanische Gelassenheit, von der er sich hat anstecken lassen. Mitte der 90er-Jahre gründete er noch eine Punkband, nun lässt er sich als „Bob Marley von Aachen“ bejubeln. Und der Vergleich ist gar nicht so weit an den Dreadlocks herbeigezogen: Nicht nur optische, auch gesangliche Ähnlichkeit ist da. Löblich, dass sich der 28-Jährige auf dem Ruhm, zu dem ihn Journalisten mit ihrem Schubladendenken brachten, nicht ausruht. „Wir spielen traditionell nur einen Bob-Marley-Song“, kündigt er die erste Zugabe an. „Keep on Moving“ gerät sonnig – und fast schon eine Spur fröhlicher als das Original.

Konzertbesucher für sich gewonnen

Doch bereits lange zuvor hat Sebastian Sturm am Freitagabend im Sumpfblumensaal die rund 180 Konzertbesucher für sich gewonnen: mit freudestrahlendem Roots-Reggae, durch rundum warmen Sound, dank alltagspoetischer Texte.

Nicht ganz unschuldig daran ist die Jin Jin Band, jene Reggaemannschaft, die schon seit 1990 existiert, trainiert und sich selbst – zu Recht! – „unglaublich“ nennt. Die ursprünglich elf Musiker, die zunächst autonom unterwegs waren, machen ihre Sache hervorragend. Dem charismatischen Sänger schenken sie als Backing Band den Platz, den er braucht. Der Hintergrundgesang von Moses C und Danger Dan ist jederzeit dezent, ohne dass die Musiker ihre eigenen Talente verbergen. Denn die sind beachtlich – wie auch die einzelnen Backgrounds der Jin Jins: Ein Musiker stammt aus der Jazz-Ecke, ein anderer rappt mit der „vielleicht einzigen unpeinlichen Crew weltweit“ über so schwerverdauliche Themen wie den Holocaust, wieder ein anderer stimmt noch beim Soundcheck Hendrix-Songs an. Geht es vielfältiger?

Nach dem ersten Zugabenblock folgt spontan ein zweiter. „Ich lass mich ja nicht lumpen“, sagt Sebastian Sturm, hängt sich eine Akustikgitarre um, stimmt „One Step onto the train“ an, ehe er wenig später am Bühnenrand steht und selbst CDs verkauft. Und im Backstagebereich wartet schon sein Köfferchen…



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