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Comedian und Kabarettist im Weserbergland-Zentrum

Sebastian Pufpaff: „Ich bin Deutscher. Ich brauch die Krise“

HAMELN. Mit seinen Auftritten in der „Anstalt“ und bei Oliver Welkes „Heute Show“ zählt Sebastian Pufpaff mittlerweile zu den anerkannten Größen im Bereich von Satire, Kabarett und Comedy. Es ist diese Mischung, die ihn auch bei seinem Auftritt am Donnerstagabend im Weserbergland-Zentrum in Hameln auszeichnet und sein Publikum begeisterte.

veröffentlicht am 01.12.2017 um 15:38 Uhr

Sebastian Pufpaff: „Tatort und Chips. Das ist heute ein romantischer Abend in Deutschland.“ Foto: Geb
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Bei Pufpaff kommt Gag auf Gag, Zeit zum Nachdenken bleibt da nicht, eine Lachsalve jagt die nächste – das zumindest in der Zeit vor der knappen Pause und dem Start danach. Aber es gibt auch den nachdenklichen Kabarettisten, der sich mit dem Burnout beschäftigt, der den Irrsinn der Fremdenfeindlichkeit geißelt und sein Publikum auffordert, die Welt wieder einmal ganz neu, ganz als normal anzusehen. Eben alles auf Anfang zu stellen, so wie auch sein Programm betitelt ist, mit dem er derzeit durchs Land tourt und die Hallen füllt.

Wunderbar, wie Pufpaff zunächst die Alltagssituationen in Deutschland aufs Korn nimmt, die Handynutzer, die gebückt den „Glöckner von Notre Dame“ machen, in der Mitte der alltäglichen Nachrichten täglich neue Feindbilder entwickeln, vom orangenen Meerschweinchen Trump zu Erdogan, dem Hitler des Orients, wechseln und sich über eine Helene Fischer auf Tour erregen können. Was aber wenn sich keine Aufregerthemen mehr finden? Pufpaff findet sie. Draußen in der vermeintlichen Service-Wüste, für die er empfiehlt, bei Beschwerden sein Gegenüber richtig runterzumachen. „Was soll das, wenn alles gut ist?“, fragt er. „Alles ist irgendwie gut. Das geht doch nicht. Ich bin Deutscher. Ich brauch die Krise.“ Und schafft sie sich selbst, wenn er auf der Autobahn beim Reißverschlussverfahren die anderen Autofahrer so richtig provoziert.

Das Grillen ist das Einzige was wir Männer noch haben.

Sebsastian Pufpaff, Kabarettist und Comedian

Da läuft Pufpaff zur Höchstform auf, liefert Comedy vom Feinsten, wo viele der Besucher vielleicht doch eher feinsinniges Kabarett erwartet hatten. Aber Pufpaff führt mit seinem Sprachwitz eben nicht nur das kabarettistische Florett, sondern auch den Säbel des Comedian, lässt schon mal die sexistische Sau raus, wenn es um die Digitalisierung geht, die Riesenmuschis, die aufgespritzten Lippen und die Traumfrau zum Downloaden.

Und was ist mit den Männern von heute? Was ist ihnen angesichts der Sexismus-Debatte geblieben? „Das Grillen ist das Einzige, was wir noch haben“, jammert er alten Zeiten hinterher. „Nur im Grillladen ist die Welt noch in Ordnung.“ Da könne der Mann noch seine Steinzeit-Gefühle ausleben. „Uga, Uga, ich hab‘ ihn, den Supergrill.“

Kaum ein Thema lässt er aus, nimmt grauenhafte TV-Programme wie „Adam und Eva“, das Dschungelcamp, den Bachelor oder Heidi Klum aufs Korn, sorgt sich um die Bildung der Kinder und entwickelt ein abstruses Hilfsprogramm für die Wertigkeit der Ehe, die doch nur noch ein Steuermodell sei. „Im Mittelalter hat die Ehe noch funktioniert. Dauerte ja höchstens sechs Jahre bei der damaligen Lebenserwartung. Heute werden die Leute 80 Jahre alt. Da kann eine Ehe schon mal 60 Jahre dauern, wenn sie nicht vorher geschieden wurde. Hör ma‘ – das ist lang!“

Und was ist heute schon ein romantischer Abend? „Schlafende Kinder“, schallt es aus dem Publikum, „Kerzenschein“, antwortet eine andere Zuschauerin. Pufpaff weiß es besser: „Tatort und Chips. Hinterher noch anderthalb Stunden durchs Programm zappen. Das ist ein klassischer romantischer Abend in Deutschland.“

Und wie ist das mit den Arbeitslosen, den Ausländern und den Terroristen? „Häufig sind das Leute in einer Person“, weiß Pufpaff. „Denn alle Ausländer sind arbeitslose Terroristen“, treibt er die Satire auf die Spitze. Ohnehin gibt es für Pufpaff keine Ausländer. Für ihn gibt es nur „Arschlöcher oder Nichtarschlöcher“. So einfach ist das. Und macht klar, dass nur die zu Radikalen werden, die keine Chance im Leben erhalten haben. Und wenn seinen Zuhörern das Lachen im Halse erstickt, nimmt er wieder Fahrt auf, wechselt die Tonart und lässt das Publikum am Ende atemlos, aber begeistert zurück. Fazit: Eine erstklassige Performance.



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