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Comedian Johannes Schroeder wirft entlarvenden Blick auf den Pennäler-Alltag

Schule mal anders

HAMELN. Johannes Schroeder bezeichnet sich selbst als Korrekthurensohn, fühlt sich von hochbegabten, unter Nussallergie leidenden Bionade-Bengeln als Cordjackett-Opfer gedemütigt, und in seinem Inneren brodelt jede Menge Unmut über sein Leben am Korrekturrand der Gesellschaft. Deshalb wohl auch hat er längst die Seiten gewechselt – vom studierten Deutschlehrer hin zum Comedian und Kabarettisten.

veröffentlicht am 16.02.2018 um 13:18 Uhr
aktualisiert am 16.02.2018 um 19:50 Uhr

Beweist Durchblick im Dickicht der schulischen Herausforderungen: Comedian Johannes Schroeder. Foto: hek

Autor:

Henner E. Kerl
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Dass das ein guter Schritt war, zeigte sein erstes Soloprogramm „World of Lehrkraft. Ein Trauma geht in Erfüllung“ in der ausverkauften Sumpfblume. Denn Johannes Schröder bewies in seinen ebenso urkomischen wie höchst amüsanten und kurzweiligen Unterrichtsstunden, welch genialer Wortakrobat, Welterklärer und Pointensetzer er ist. Weg vom Frust nervender Schüler und Lehrer, vielmehr alles ein wenig locker sehen und sich selbst auch nicht zu ernst nehmen: Nur so, das scheint die Lehre des Unterrichts mit dem Pauker unter den deutschen Comedians zu sein, lässt sich der skurrile Schulalltag ertragen und das Leben als Pädagogen auch durchaus als witzig genießen.

Denn wenn Johannes Schröder erzählt, dabei sich aller nur erdenklichen Klischees des Lehrerberufsstandes bedient und mit neuen Wortschöpfungen glänzt, fühlt sich sein Publikum in die eigene Klasse 10a zurückversetzt. Irgendwie kommt den Zuhörern alles bekannt vor… Aber: Solch einen Lehrer wie diesen Herrn Schroeder dürften wohl die wenigsten erlebt haben, solch einen, der rundum so viel Spaß macht, der Kollegen gern das Privileg überlässt, zum „Lehrer des Jahres“ gewählt zu werden, oder der selbst Sportlehrer „Trillerpfeifen-Theo“ mit jenem Respekt gegenübertritt, der ihm gebührt.

In seinem neuen Metier als Comedian nimmt Johannes Schröder, der gebürtige Berliner, alles auf die Schippe, was sich in den „Bildungsbrutstätten“, ob auf dem Schulhof, im Klassen- oder im Lehrerzimmer abspielt. Dabei muss man seinem Unterricht hoch konzentriert folgen, um keine seine Metaphern und Pointen zu verpassen. Der 43jährige gebürtige Berliner treibt seine „Schüler“ von einer Lachsalve zur anderen und überrascht immer wieder auch mit lyrischen Feinheiten und Wortdeutungen. Geradezu genial ist das Ende seiner gut zweistündigen Lehrveranstaltung: Herr Schröder rappt auf Deutsch zu „The Real Slim Shady“ von Eminem. Da kommen dann Zeilen heraus wie „Verbeamtet von Vater Staat, aber was glaubt ihr, wer die Pimmel auf dem Schulklo malt?“



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