weather-image
×

„Krach im Museum“ mit dem Pyrmonter Theater im Kunstkreis

Schon wach, Herr Bach?

HAMELN. Kein Museum – aber immerhin: eine Galerie als Schauplatz; Hamelns Kunstkreis als einer der vielen Orte für „Auswärtsspiele“ unseres Theaters, wo noch immer gebrandschützt wird. Und auch nicht Mitternacht – elf Uhr vormittags und viele Kinder der Heinrich-Kielborn-Schule, die den hinteren Saal füllen. Ein Museum im Schlosspalais als Szenerie mit den Portraits von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Karl-Philipp Telemann. Nachtführung für eine Schulklasse.

veröffentlicht am 26.09.2017 um 17:09 Uhr

pe

Autor

Reporter

Dann zwölf Glockenschläge – Händel streckt sich genüsslich, schließlich war er wieder 23 Stunden an seinen Stuhl gefesselt. Wie jede Nacht steht er auf, schrammt mit dem Kopf gegen den Bilderrahmen. Nebenan wird Bach lebendig. Es kann losgehen mit „Krach im Museum“

Eine liebenswerte kleine Farce, die Jörg Schade da mit den beiden Musik-Giganten inszeniert hat. Seit rund dreihundert Jahren sind die beiden miteinander im Clinch. Zwei ganz Große ganz kindisch. Eifersüchteleien. Und weil sie endlich einmal Publikum haben, beginnt ein Wettkampf. Natürlich mit Musik. Ein Trio als eigentliche Hauptrolle im Komponistenstreit. Und schon erstaunlich, wie gut die beiden Altmeister, die sich so gar nicht „Grün“ sind, bei den Kindern ankommen.

Ob Händels „Wassermusik“ – Bach: „Typisch Händel! Ganz simpel!“ oder Bachs „Italienisches Konzert“, das er in Köthen komponierte – sie werden allemal beklatscht und mit Bravo-Rufen belohnt. Als sich die Museumsführerin auch noch als Sängerin ohne Engagement herausstellt – kennt die Musik keine Grenzen mehr. Und Bach und Händel lassen sich zu einer Gemeinschaftsproduktion überreden, bei der die Kinder schließlich mitsingen. „Wir machen jetzt alles gemeinsam“ und plötzlich – nachdem sich die beiden Musik-Genies eben noch mit ihren Taktstöckchen duellierten – dirigiert Händel Bach.

Friede, Freude und große Musik – und künftig besondere Führungen im von Schließung bedrohten Museum. Denn zum einen besitzt das Museum jetzt ein Gemeinschaftswerk von Händel und Bach – allein das schon eine kleine Sensation – und dann treten die beiden Genies zur Geisterstunde auch noch gemeinsam auf.

Begeisternd allemal, wie hier die beiden Protagonisten, Jörg Schade als Bach und Carl-Herbert Braun als Händel die Kinder wie nebenbei mitnehmen, auch Meike Leluschko als Museumsführerin und Sopran, sowie das Trio mit Prof. Bernhard Wesenich am Fagott, Ralph Töpsch an den Flöten und Jenny Meyer an der Harfe.

Klar doch – auch wenn sie sich noch so ausdauernd lustvoll streiten: natürlich wissen die beiden Giganten, dass sie einsame Spitze sind. Und auch noch nach dreihundert Jahren ihr Publikum begeistern können.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt