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Schon einst auf der Schultoilette hat Jörg Knör Politiker imitiert

Gerade erst saß Jörg Knör in der Loriot-Abschiedsrunde bei "Markus Lanz" auf dem Talk-Sessel. Doch nicht nur Wum und Wendelin hat der Entertainer seine Stimme geliehen. Mit Julia Marre spricht er im Dewezet-Interview über Parodie und Demokratie.

veröffentlicht am 25.08.2011 um 12:48 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 10:41 Uhr

jörg knör
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Von Julia Marre
Hameln. Ist er nun Parodist, Entertainer, Sänger, Karikaturist oder Comedian? Jörg Knör sieht’s gelassen. „Es ist egal, was auf dem Klingelschild steht. Hauptsache, mein Publikum fühlt sich wie zuhause“, sagt er. Am Samstag, 27. August, gastiert das Multitalent ab 20 Uhr im Weserberglandzentrum mit seinem Programm „Alles nur Show“.

Herr Knör, wie wird man eigentlich Parodist?
Ich war 1975 als Kandidat zu Gast in Rudi Carrells Quizsendung „Am laufenden Band“. Davon wollte ich natürlich möglichst farbig erzählen. Eher unabsichtlich habe ich dabei Rudi Carrell nachgemacht. Ich konnte auch ein bisschen holländisch, sodass mir das gut gelang. Die Reaktionen haben mir gezeigt: Die Leute fanden das richtig toll. Schon in der Schule habe ich auf der Herrentoilette Politiker nachgemacht: Willy Brandt, Helmut Schmidt oder Franz Josef Strauß. Es war eine tolle Akustik dort, weil es so hallte wie bei den politischen Reden. Nur dass der Hausmeister mich eingesperrt hat, damit ich damit aufhöre.

Vielleicht haben Sie aus Sicht des Hausmeisters einfach die falsche Partei gewählt?!
Nein, der Hausmeister an der Schule war immer genervt. Im Talentschuppen der ARD ging’s für mich dann weiter. Ich hatte drei bis vier Parodien dorthin geschickt und konnte drei Minuten ausfüllen. Es war unfassbar, wie viele Agenturen sich darauf bei mir meldeten, die sagten: „Genau so was brauchen wir!“ Für mich ging es mit einem 30-minütigen Programm weiter. Es hatte nicht viel Substanz, aber ich habe mich zum Glück nicht entmutigen lassen. Ich habe damals sowieso immer gedacht, wenn das Publikum buht, kann es an mir ja nicht liegen. In jungen Jahren litt ich ungeheuer an Selbstüberschätzung. Aber das hat mir über die Zeit geholfen, ein wertiges Programm zu entwickeln.

Mittlerweile füllen Sie ein zweistündiges Abendprogramm. Welchen Stellenwert hat die Parodie darin?
Ein Imitator bin ich nicht, diese Formulierung tut mir weh. Ich kann mehr. Ich bin eher wie ein Theaterleiter mit einem großen Ensemble, mit bekannten Hauptdarstellern. Bei der Aufgabe, ein Stück für sie zu finden, wird man kreativ. Schließlich will ich ja einen Inhalt schaffen. Über die Figuren verkaufe ich den. Hinter den Promis verstecke ich mich nicht, sondern man lernt durch sie viel über mein Privatleben.

Außerdem zeichnen Sie Karikaturen, live auf der Bühne. Wenn das mal kein Alleinstellungsmerkmal ist…
Das stimmt. Die Zuschauer in den ersten Reihen werden von mir regelrecht beschenkt. Es gibt viele große Blätter mit Zeichnungen, die ich signiere. Meine Mischung ist das Merkmal. Ich bin ein Entertainer, der Comedy macht und der sich auch traut, ganz old-fashioned zu singen und Glamour zu betreiben. Und ich mache auch vor unbequemen Themen nicht Halt.

Vor welchen denn?
Es geht in meinem Programm zum Beispiel um den Verlust von Demokratie. „Wir sind das Volk“ heißt ein Lied von mir. Den Ausspruch sollten wir stärker beherzigen. Wir haben wieder eine Mauer der Ignoranz und Macht, die alles durchteilt. Das prangere ich in dem Lied an. Eine andere Nummer thematisiert Kindesmissbrauch durch die katholische Kirche. Da bleibt einem schon mal das Lachen im Halse stecken.

Ihr Programm enthält mehr als 20 „prominente Mitwirkende“. Um Promis zu imitieren, müssen Sie ja eine gute Beobachtungsgabe haben. Beobachten Sie alles und jeden?
Oh ja, ich bin ein großer Voyeur. Etwa in der Straßenbahn. Wenn ich dort ein trauriges Gesicht sehe, versuche ich es gleich einzuordnen. Menschen interessieren mich grundsätzlich sehr.


Haben Sie eine Figur, die Sie zurzeit besonders gern parodieren?
Helmut Schmidt. Wobei ich in seinem Fall schon eher Porträtist als Karikaturist bin. Er gehört zu den Figuren, in die ich mich sehr gut hineinversetzen kann. Es gibt bei ihm zwar wenig Pointen, aber dafür diese Art, den Charakter herauszukitzeln.

 

Und wen haben Sie gerade aus Ihrem Ensemble rausgeschmissen?
Ja, Boris Becker. Weil bei ihm gerade nichts passiert. Ein aktueller Bezug muss schon immer da sein, sonst lohnt sich die Parodie nicht.




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