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Klassische Paranoia im Horrordrama „Orphan – das Waisenkind“

Schocks und Schreckmomente

Brav bis verführerisch: Isabelle Fuhrmann entlockt der Figur des Waisenkinds Esther meisterhaft alle Nuancen.

veröffentlicht am 23.10.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:21 Uhr

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Autor:

Michael Ranze
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Dieses Mädchen hätte jeder gern adoptiert: Esther (Isabelle Fuhrmann) ist aufgeweckt, wohlerzogen und brav, von ihren künstlerischen Fähigkeiten ganz zu schweigen. Ihr russischer Akzent wirkt bezaubernd – noch! – und scheint zu den schwarzen Haarschleifen und dem biederen Kleid mit Rundkragen und Falten zu passen. Aber: Für ihr Alter ist sie zu klug, zu artikuliert, zu überlegen. Schon bald kommt Kate (Vera Farmiga) der Gedanke, dass mit Esther etwas nicht stimmt.

Kate war mal Musikprofessorin. Ihren Kummer über eine Fehlgeburt – mit diesem Trauma beginnt der Film – hat sie in Alkohol ertränkt, seit einem Jahr ist sie wieder trocken. Mit ihrem verständnisvollen, aber untätigen Mann John (Peter Sarsgaard) hat sie zwei Kinder, einen Sohn und eine süße, aber taubstumme Tochter. Die Adoption der neunjährigen Esther sollte das Familiengefüge wieder kitten. Doch Esther ist ein Satansbraten. Der Zuschauer weiß es längst, Kate auch. Doch weder ihre Therapeutin noch ihr Mann glauben ihr.

Ein klassisches Paranoia-Motiv: Die Heldin weiß um die Wahrheit und besteht darauf, während die Umwelt alles für ein Hirngespinst hält. Der spanische Regisseur Jaume Collet-Serra, dessen „House of Wax“ mit einem Wahnsinns-Showdown aufwartete, folgt zunächst diesen Genremustern. Da gibt es falsche Fährten und falschen Alarm, Schocks und Schreckmomente. Alles wie gehabt, denkt man, als der Film mit einem Plot-Twist aufwartet, der so nicht zu erwarten war. „Orphan – Das Waisenkind“ ist von Beginn an beunruhigend und packend. Vera Farmiga überzeugt als schuldbeladene, verwirrte Adoptivmutter, Peter Saarsgard als Durchschnittskerl, der eine dunkle Seite haben könnte. Isabelle Fuhrmann hingegen stiehlt allen die Show. Klasse, wie sie von brav über verführerisch bis grausam alle Nuancen ihrer Figur auslotet. Ein verdammt böses Mädchen.

„Orphan – das Waisenkind“ läuft derzeit im Hamelner Maxx-Kino täglich um 20.15 Uhr, am heutigen Samstag außerdem um 23 Uhr.

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