weather-image
28°
„Robin Hood“ als Märchenspiel ohne Gefühl im Theater

Schleppend von Schluffis in Strumpfhosen erzählt

Hameln. Sean Connery zwängte sich für diese Rolle schon in Strumpfhosen, ebenso wie Kevin Costner und Russell Crowe. Die Messlatte für die Figur des Robin Hood, sie liegt hoch. Auch in einer Theateraufführung. Spannende Regie-Ideen für eine Inszenierung gibt es genug. In einer modernen Fassung könnte Robin Hood als Anhänger der „Occupy“-Bewegung auf der Bühne zelten und Pappschilder schwenken. In einer klassischen könnte er im Filz-Kostüm für die Armen kämpfen und nostalgisch mit Pfeil und Bogen schießen.

veröffentlicht am 05.03.2012 um 18:36 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:41 Uhr

270_008_5295164_ku_101_0603_Robin_Hood.jpg

Autor:

Julia Marre
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Letzteres tut er in der Inszenierung des Altonaer Theaters am Sonntagabend auf der Hamelner Bühne. Hier wird ein kostümiertes Märchenspiel gezeigt, das actionreich mit viel scheppernden Klingen und sausenden Pfeilen protzt. Große Gefühle? Fehlanzeige. Schleppend erzählt und langatmig inszeniert ist die Regiearbeit des renommierten Kampfchoreografen Malcolm Ranson. Auch wenn darin die Fecht- und Schwertkämpfe gut einstudiert sind. Daran, dass die szenische Handlung lediglich die Actionsequenzen auszustaffieren scheint, kränkelt diese Aufführung zweieinhalb Stunden lang. Es mag daran liegen, dass die Inszenierung 2009 mit den Burgfestspielen Dreieichenhain produziert worden ist. Und sicherlich: In historischer Kulisse unter freiem Himmel aufgeführt, mag dieses Schauspiel ein unterhaltsames sein. Für eine Theaterbühne jedoch ist es dürftig.

Ransons Inszenierung changiert unentschlossen zwischen stringentem Nacherzählen und laschem Klamauk. „So viele Pferde passen ja gar nicht auf die Bühne“, scherzt der Sheriff beim Fußmarsch durch den Wald, der streng genommen ein Ritt hätte sein sollen. Doch die Schenkelklopfer-Witze vermögen die Farblosigkeit der Aufführung nicht zu überspielen. Vor schalem Humor strotzt besonders die zweite Hälfte. Der Tiefpunkt ist erreicht, als die Geächteten aus dem Sherwood Forest nach der Pause in Räubermanier aufdringlich im Publikum Geld sammeln – „für einen guten Zweck“. Davor und danach gibt es keinen Regieeinfall, der überrascht. Keine Duftmarke, die aus der so oft gehörten Legende eine erinnerungswürdige machen könnte.

Hübsch arrangiert sind die Kampfszenen des Schauspieler-Ensembles. Doch viele Dialoge wirken allzu statisch, oft wie aufgesagt. Kaum einer, der seine Rolle lebt, sich einfühlt. Ludger Haninger als Prinz John ist eine Ausnahme, Matthias Pantel als Sheriff bemüht sich sichtlich. Und Charlotte – hier offenbar in der Drittbesetzung – wird zur Sympathieträgerin; die Schauspielerin zeigt, dass sie sich mit der Figur der Hofdame auseinandergesetzt hat. Sascha Kraft als Gitarre spielender Barde führt unterhaltsam durch die Handlung. Torsten M. Krogh in der Rolle des Mönchs bleibt blass, auch Martin Brücker setzt als Robin Hood nur wenig Akzente.

Das Bühnenbild von Sonja Zander lässt viel Raum für Fantasie. Stählerne Baumstämme werden hinein- und hinausgerollt, Tücher im grünen und blauen Scheinwerferlicht angestrahlt. Aus blauer Stoffrolle und gelbem Tuch formen sich ein Bach und ein Feuerchen. Das ist nicht neu, aber funktional. Ebenso wie die Kostüme (Volker Deutschmann) mit Lederstulpen, historisch anmutenden Gewändern und Tierfell-Imitaten.

Wer aber mit Robin Hood mitfiebern möchte, der sollte sich lieber an diese drei Herren wenden: Sean Connery, Kevin Costner, Russell Crowe.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare