weather-image
13°
Opernpremiere in Herrenhausen

Schein und Sein: „L’Opera seria“ spielt mit Realität

Hannover. Mit der Kasse durchbrennen: Das traut Michiel Dijkema dem Hausherrn Michael Klügl dann doch nicht zu. Der niederländische Regisseur und Bühnenbildner inszeniert zur Spielzeiteröffnung der Staatsoper Hannover „L’Opera seria“. Wegen der Bauarbeiten am Opernhaus weicht man nach Herrenhausen aus. Und der Titel des wenig bekannten Stückes verrät: Es ist Theater über das Theater – „eine komische Oper über eine ernste Oper“, wie der Regisseur sagt.

veröffentlicht am 29.08.2012 um 15:20 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 22:41 Uhr

270_008_5779903_100858353.jpg

Autor:

Stefan Arndt
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Komponiert hat sie Florian Leopold Gassmann schon 1769. „Aber eigentlich ist alles wie heute“, so Dijkema. Es gibt Primadonnen, eitle Tenöre und Zeitdruck bei den Proben – nur Klügl ist nicht dabei. Statt eines Intendanten wird das Geschehen bei Gassmann von einem halbseidenen Impresario befeuert, der sich am Ende mit den Einnahmen des Ensembles davonmacht.

Natürlich habe er Bedenken bei so einem Stoff gehabt, sagt Dijkema: „Witze über das Theater sind normalerweise nur für die witzig, die am Theater arbeiten.“ Dann aber habe er erkannt, dass dieser an sich einleuchtende Satz auf „L’Opera seria“ nicht zutrifft. „Gassmann hat viel Liebe für seine Personen“, sagt er – trotzdem bringe er sie immer wieder in Situationen, die auf unerwartete Weise entgleisen.

Mit abenteuerlichen Stückwendungen hat der 38-jährige Regisseur Erfahrung: In Leipzig hat er im vergangenen Jahr Puccinis „Tosca“ inszeniert, davor brachte er „Die Fledermaus“ auf die Opernbühne in Tallinn. Auch mit Hannover ist Dijkema schon in Kontakt gekommen: In Amsterdam hat er den „Vampyr“ des ehemaligen königlich-hannoverschen Hofkapellmeisters Heinrich Marschner inszeniert.

Lob erntete er dabei nicht nur für sein Regiekonzept, sondern auch für die Gestaltung des Bühnenraums. Doch welche dieser beiden Rollen ist für ihn selbst wichtiger? „In erster Linie bin ich der Regisseur, der sich darüber klar werden muss, wie eine Geschichte erzählt werden soll“, sagt er. Als Bühnenbildner bekomme er dann von sich selbst „eine Einkaufsliste“ mit den Anforderungen an das Szenenbild. Darauf steht ganz oben: „Raum nicht weginszenieren.“ Das Galeriegebäude in Herrenhausen habe so viel Qualität, dass es schon selbst das Bühnenbild sei. Außerdem muss der Bühnenbildner Dijkema noch eine andere Anforderung des Regisseurs Dijkema erfüllen: Er muss Publikumsbeteiligung ermöglichen. In „L’Opera seria“ wird eine Oper aufgeführt, die von lebhaften Zuschauerreaktionen begleitet und deshalb sogar abgebrochen wird. Soll nun auch das hannoversche Publikum zu Buhrufen animiert werden? Einzelheiten will Dijkema noch nicht verraten. Nur so viel: Als Zuschauer braucht man sich nicht zu sorgen, wenn die Vorstellung einmal abgebrochen wird: Es steht so in der Partitur.

„L’Opera seria“ hat am 9. September im Galeriegebäude Herrenhausen Premiere. Am 8. September ist Bernd Mottls Inszenierung von „Kiss me, Kate“ im Theater am Aegi zu sehen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt