weather-image
17°
Silje Nergaard unterhält mit Jazz und Pop

Sanfte Stimme aus Norwegen

HANNOVER. Es ist eine anrührende Anekdote, die Silje Nergaard zu ihrem Song „Coco Bello“ am Montagabend im Pavillon erzählt. Während eines Sizilienurlaubs hört sie eine kleine Melodie, mit der ein Kokosnusshändler seine Ware anpreist. Diesen mit dem Handy aufgenommenen Werbejingle spielt sie zu Beginn des daraus entstandenen Liedes ab, im Hintergrund hört man Kinder und brandende Wellen.

veröffentlicht am 06.03.2018 um 15:31 Uhr
aktualisiert am 06.03.2018 um 16:20 Uhr

Einfühlsam und virtuos: die Norwegerin Silje Nergaard bot einen starken Auftritt im Pavillon in Hannover. Foto: jed
Avatar2

Autor

Martin Jedicke Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Eine warme Brise weht durch den Saal, passend zu den ansteigenden Frühlingstemperaturen hierzulande.

Wie der Kokosnussverkäufer stammt auch Nergaards Adoptivsohn aus Afrika. Ihm widmet sie das Kraft und Sicherheit spendende Schlaflied „Hush Little Bird“. Aber auch gesellschaftspolitische Themen treiben die Norwegerin um. In „It’s Gonna Rain“ beschwört eine afrikanische Mutter das Ende der Trockenzeit und „For You a Thousand Times“ basiert auf Fotos von Menschen aus Nord- und Südkorea, die sich nach langjähriger Trennung wiedersehen.

Nergaard sammelt all diese Geschichten, komponiert die Songs und lässt Mike McGurk die Texte ausgestalten. Die gut 400 Zuhörer berauschen sich vor allem an den vielfältigen Arrangements, mit denen Andreas Ulvo (Flügel, Keyboards), Audun Erlien (Bass) und Welte Holte (Schlagzeug) überraschen. „Dance me through the dark“, singt Nergaard, und man hat ein Paar vor Augen, das wie in Zeitlupe in den Nebenraum hinübertanzt. Dazu im instrumentalen Mittelpart zärtliche Klaviertupfer, ein leise groovender Bass und gestreichelte Trommeln. Ulvo, der immer wieder sein Potential als Jazzpianist andeutet, überzeugt auch mit atmosphärischen Elektroniksounds und bringt eine Rhythm’n’Blues-Note in den Soulpop von „When Judy Falls“, wenn er das Keyboard wie ein Fender-Rhodes-Piano klingen lässt. Nergaards mühelos durch die Oktaven surfende Stimme besitzt einen wohlig-warmen Grundton, klingt aber auch in lichten Höhen nie schrill. Oft mehr Pop als Jazz, eine Prise Weltmusik, die 51-Jährige mischt ohne Brüche. Und erzählt aus den Anfängen ihrer Laufbahn, als sie mit „Tell Me Where You’re Going“ in Japan einen Nummer-1-Hit hatte. Vor George Michael. In Konzerten flogen damals Teddybären auf die Bühne und, siehe da, auch in Hannover landen zwei solcher Kuscheltiere auf der Bühne. Pat Metheny gefiel Nergaards Song damals so gut, dass er ihr einen Plattenvertrag verschaffte. Ein Dosenöffner für die Karriere. Und als Reminiszenz an Metheny klingt Ulvos Keyboard wie dessen Gitarre.

Ach ja: Den Kokosnusshändler hat Nergaard ein Jahr später tatsächlich am Strand wiedergetroffen. Sie spielte ihm „sein“ Lied vor, er habe geweint.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare