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Nicht Büchners Intention: „Dantons Tod“ am Montagabend im Theater

Revolution auf dem Rummelplatz

Hameln. Eigentlich ist eine Revolution eine ernste Sache, und die französische war es allemal. Aber so, wie Roberto Ciulli „Dantons Tod“ (1835) mit dem Theater an der Ruhr Mülheim auf die Bühne bringt, hat es der 21-jährige Büchner nicht gemeint.

veröffentlicht am 19.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:41 Uhr

Henkersmahlzeit am Campingtisch: Lacroix (Albert Bork), Camille

Autor:

Jürgen Schoormann
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Um mörderische Ideologen geht es bei ihm, um einen des Kampfes müden Danton, um einen politischen Schauprozess übelster Sorte, angeheizt von Demagogen und Scharfmachern. Menschen stehen im Zentrum der Handlung mit ihrer Verantwortung für das, was sie tun. Die entscheidenden Szenen des Dramas sind leise, und überraschenderweise gelingt es Ciulli nach der Pause in einem eindrucksvollen Bühnenbild (Gralf-Edzard Habben) in der Szene zwischen Danton (sehr überzeugend Volker Roos), Camille (Fabio Menéndez) und Lacroix (Albert Bork), genau diesen Ton zu treffen: Da bekam die Inszenierung einen völlig anderen Stil, Büchners Text wurde ernst genommen, die Figuren erhielten Kontur und menschliche Züge, bis nach der sehr intensiv gespielten Szene mit der Henkersmahlzeit erneut die Rummelplatz-Show Oberhand gewann.

Mit dieser bunten Mischung aus Jahrmarkt, Jux und Tollerei begann die Inszenierung und entließ viele Zuschauer ratlos in die Pause.

Wenn man die Ideologen, Demagogen und Scharfmacher zu Marionetten macht und sie damit befreit von ihrer Verantwortung für ihr Tun, dann verschiebt man die Intentionen Büchners. Und auch die Opferbereitschaft und die Verzweiflung der Frauen – Lucile und Julie – werden allenfalls angedeutet. Und wenn man dann noch ganze Textabschnitte aus „Leonce und Lena“ und „Woyzeck“ einmontiert, dann sollte man das Stück nicht mehr „Dantons Tod“ nennen. Nein, dies war nicht Büchners „Dantons Tod“, sondern die sehr eigenwillige Adaption des Roberto Cuilli. Und das wäre auch nicht zu kritisieren, wenn denn die Intentionen deutlich und verständlich gewesen wären. Denn Theater wird für den Zuschauer gemacht und soll ihn erreichen. Da helfen auch nicht ein paar Erläuterungen zu Beginn vor dem Vorhang.

Die Leistung der Schauspieler wurde zu Recht mit herzlichem Beifall belohnt.



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