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Starker Anlass, schwaches Stück: „Falco – das Musical“ im Theater am Aegi

Reibereien in Lack und Leder

HANNOVER. „Ich will sterben wie James Dean“, kündigt dieser Falco an. „Einfach mit dem Porsche auf eine Kreuzung rasen – crash, boom, tot sein.“ Es ist einer der wenigen doppelbödigen Momente, in denen im ausverkauften Theater am Aegi deutlich wird, welch tragische Figur da eigentlich auf der Bühne steht. Denn die österreichische Popikone ist genau so gestorben. Das weiß auch das Publikum. Eine Hommage zum 60.

veröffentlicht am 08.06.2017 um 19:39 Uhr

Die von Regisseur Peter Rein inszenierte bunte Show soll eine Hommage an die Erfolgskarriere von Falco sein. Foto: Villegas

Autor:

Linda Tonn

„Falco – das Musical“ startet akustisch furios – mit dem Bremsenquietschen, dem Knall und Glassplittern jenes Unfalls, bei dem Hans Hölzel alias Falco vor 19 Jahren in der Dominikanischen Republik ums Leben gekommen ist. Dazu werden die historischen Fotos der Autotrümmer gezeigt. Der exzentrische Musiker wäre in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden, die von Regisseur Peter Rein inszenierte bunte Show soll eine Hommage an eine Erfolgskarriere sein.

Stoff genug bietet der rasante Aufstieg des jungen Österreichers durchaus: große Hits, Erfolge in den USA, Drogen, Skandale, Abgründe. Auf der Bühne zu sehen ist allerdings nur eine lieblos aneinandergereihte Abfolge seiner Lebensstationen, gespickt mit seinen größten Hits. Das Musical reduziert Falcos Höhenflug Ende der Achtzigerjahre, seine Unberechenbarkeit und innere Zerrissenheit auf abgenutzte Rockstar-Klischees vom Alkoholexzess bis zur Sexorgie. Dazu reiben sich leicht bekleidete Tänzer in Lack und Leder aneinander. Falcos innerer Kampf zwischen Todessehnsucht und lustvollem Überschwang wird plakativ von einer Frau in unschuldigem Weiß und einer Frau in verruchtem Schwarz dargestellt.

Dünne Dialoge, gute Musik

Zwar mimt Hauptdarsteller Alexander Kerbst den Österreicher glaubwürdig – sein geschniegelter Anzug sitzt genauso wie der Akzent und die elegante Arroganz – doch durch die banalen Dialoge der Rahmengeschichte wirkt die Darstellung teils wie eine Karikatur. Wenn Manager Horst Bock, gespielt von Sebastian Achilles, den halluzinierenden Falco übertrieben betont auffordert, nun endlich in eine Entzugsklinik zu gehen, klingt das wie belangloses Geplänkel. Was die Zuschauer durch die zweistündige Show trägt, ist die immer noch großartige Musik. Die poppigen Achtzigerjahre-Hits wie „Rock me Amadeus“, „Egoist“ oder „Der Kommissar“ reißen mit. Auch wenn es nur Alexander Kerbst ist, der singt. Sobald die ersten Takte erklingen, klatscht und jubelt das mehrerere Generationen vereinende Publikum. Und die düstere Ballade „Jeanny“ über Gewaltverbrechen an Frauen lässt betroffen innehalten.

Falco mit einem Musical zu ehren, ist angemessen. Denn seine Musik hat Popgeschichte geschrieben. Wobei die Cover-Versionen längst nicht an die Originale heranreichen. In Hannover gab es am Ende Applaus im Stehen. Ein besseres Kompliment können sich die Darsteller nicht wünschen.

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