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Wie Thimon von Berlepsch im wahrsten Wortsinn sein Publikum verzaubert

Pure Magie

Hameln. Bei Thimon von Berlepsch scheinen sich Dichtung und Wahrheit ähnlich wie bei Goethe die Waage zu halten. Es kann natürlich sein, dass er als 13-jähriger Junge tatsächlich auf dem Stammschloss seiner Eltern nahe dem beschaulichen Witzenhausen einen Koffer auf dem Dachboden entdeckt hat, der ihm bei beherztem Öffnen quasi den Lebensweg programmierte. Darin befand sich nämlich ein verstaubtes Buch mit dem klingenden Titel „Der moderne Salonmagier“. Ein Titel wie eine Initialzündung, denn es musste einfach kommen, was an dieser Stelle jeder Leser erwarten würde – der Junge wollte ebenfalls Magier werden. Und, so erklärt es der inzwischen 37-jährige in der ausverkauften Sumpfblume dem verblüfften Publikum, „wenn wir uns etwas ganz intensiv wünschen, geht es auch in Erfüllung!“ Er appelliert an die Fantasie und die Vorstellungskraft. Gleichzeitig hebt er sich gnadenlos gut von anderen Zauberern ab, indem er eben nicht Trick an Trick reiht, sondern seine ganz persönliche Geschichte als erklärter Weltenbummler erzählt, der jeder einzelne Zuschauer gebannt folgt. Charmant witzig und großartig pointiert bringt er sein zweistündiges Programm über die Bühne und zaubert eigentlich nur nebenbei. Der Effekt ist allerdings umso verblüffender. Da fliegen plötzlich Tische durch die Luft oder tauschen fest in den Mund gepresste Karten den Besitzer, wird auf der Bühne mit spitzen Nadeln Selbstkasteiung gezeigt und Massensuggestion zelebriert. Immer dicht am und vor allem mit dem begeisterten Publikum. Dazwischen humorvolle Statements, dass man am berühmten indischen Taj Mahal unbedingt küssen müsse, dann hätte man nie wieder im Leben schlechten Sex. „Wie macht der das bloß?“ fragt sich das atemlos lauschende und zusehende Publikum. Die Antwort folgt prompt: „Weil ich es einfach kann!“ Nur wer sich dem Unbekannten stellt, kann sich geistig und körperlich fortentwickeln, sagt Thimon von Berlepsch. Dumm für diejenigen, die genau diese magischen Momente verpassen, wenn sie nur angespannt mit dem Smartphone rumdaddeln. Von Berlepsch weiß, dass die Magie eine universelle Sprache spricht. Man müsse sich nur öffnen. So wundert es nicht, dass er geheimste Wünsche errät, egal, ob es sich um eine Ägyptenreise, einen Gitarrenkurs oder um ein Treffen mit einem Verwandten handelt, den man seit Ewigkeiten nicht gesehen hat. Ein universeller Briefumschlag, mit einem darauf versehenen Fragezeichen als Requisit in der Ecke der Bühne platziert, enthält genau jene Wünsche, die die vier Protagonisten, die aus dem Publikum auf die Bühne geholt werden, ihm gegenüber äußern. Aufgeschrieben hat er sie bereits vorher. Wohlgemerkt, er kennt diese Menschen nicht. Und wer sich intensiv dem Unbekannten stellt und seine Vorstellungskraft und seinen Erfahrungshorizont erweitern möchte, der wird kurzerhand hypnotisiert, vergisst beim Blick in die tief liegenden Augen von Thimon nicht nur seinen Vornamen, sondern entwickelt sich ganz nebenbei zum Mathematikgenie, das selbst einen Einstein in den Schatten stellen würde. Hypnose verändert eben die Realität und setzt ungeahnte Kräfte frei. Und gerade das kitzelt auch den begeisterten Applaus heraus, der den Abend erwartungsgemäß beschließt. Denn was wir Zuschauer erleben durften, war nichts anderes als pure Magie. Bitte unbedingt mehr davon.

veröffentlicht am 22.04.2016 um 18:11 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:19 Uhr

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Autor:

Stefan Bohrer


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