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Die Staatsoper Hannover zeigt in ihrer letzten Saisonpremiere die drei Einakter des italienischen Maestros

Puccinis „Il Trittico“ – und die Bühne als Comic

Hannover. Was so – in dieser Masse – vermutlich der Premiere am Samstag in der Staatsoper vorbehalten war: eine Applausordnung im XXL-Format und zum Schluss die Gesamt-Besetzung von Puccinis „Il Trittico“ mit „Il Tabaro“ (Der Mantel), „Suor Angelica“ (Schwester Angelika) und „Gianni Schicchi“. Drei Einakter, wie sie so – und vom Maestro ausdrücklich gewünscht – nur selten auf den Brettern zu sehen sind. Einer der Gründe: Die drei Stücke trennt mehr als sie verbindet.

veröffentlicht am 03.06.2012 um 17:49 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:41 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Im „Mantel“ ist es eine Schiffsbesatzung in Paris. Michele (Brian Davis) und seine Frau Giorgetta (Kelly God) haben sich – seit dem Tod ihres Kindes – auseinandergelebt. Luigi (Vincent Wolfsteiner), bei ihrem Mann als Löscher angeheuert, wird Giorgettas Liebhaber. Michele kommt dahinter, erdolcht ihn – und sie. Puccini-Tutti à la „Tosca“ inklusive – und von Regisseur Sebastian Baumgarten weit zurückverlegt in Piratenzeiten. Ein bisschen lässt Johnny Depp grüßen. Baumgarten arbeitet mit Assoziationen, verschiebt die Realität, lässt Textfetzen projizieren, schafft Fantasie- und Traumwelten. Da wird gerammelt und in hohem Bogen ejakuliert. Die Bühne als Comic.

Auch in „Schwester Angelika“ mit nahtlosem Übergang. Auch hier verlässt sich Baumgarten nicht auf die innere Dramatik – setzt Bewegung gegen Klosterruhe. Beeindruckend: Miriam Gordon-Stewart als Schwester Angelika mit der mörderischen Arie „Senza mamma“, die sie bravourös meistert. Zuletzt ein typischer Baumgarten – und ein liebenswerter dazu: Angelikas Himmelfahrt samt Sohn. Auch das Illusion, denn Angelika liegt, sozusagen parterre, wie sie sich vergiftet hat, am Boden.

Immer schon als Sonderfall gehandelt – und präsent in den Spielplänen: „Gianni Schicchi“. Eine der raren Komödien der Opernbühne. Vor allem besitzt diese Erbschafts-Klamotte zwei hinreißende Arien. Für den Tenor und dann: Laurettas wunderschönes „O mio babbino caro“, Paradestück einer Netrebko, die sie singt, wie keine andere. Ania Vegry kommt ihr insofern nahe, weil sie nichts macht. Einfach singt, was bekanntlich am schwersten ist. Toll. Auch Sung-Keun Park als Rinuccio mit seinem „Fiorence“, auch wenn dem finalen „Gianni Schicchi“ der Glanz fehlt. Hier ist Klamotte angesagt – über die man bei Teil Eins und Zwei noch streiten könnte. Baumgarten lässt die komödiantische Sau raus. Wüstes Durcheinander und dann, wenn das Testament gefunden und geöffnet ist, echte Komödie. Mit perfektem Timing. Ab da darf gelacht werden. Die Geschichte um den reichen Erbonkel, der die Erben enttäuscht, die von Schicchi (hervorragend: Stefan Adam) beschissen werden.

Was allerdings auch Baumgarten nicht gelang, trotz (beinahe) Einheitsbühnenbild (Alexander Wolf): die Verbindung zwischen den Stücken herzustellen. Aber vielleicht wird ja umgekehrt ein Paar Schuhe draus. Vielleicht wollte Puccini nämlich genau das: drei grundverschiedene Geschichten, die eines gemeinsam haben: das Leben – und das ist bekanntlich „wie’s ist“.

Auch die letzte Opernpremiere dieser Saison mit perfektem „Graben“ unter Staatsorchester-Chefin Karen Kamensek. Da war alles, was Puccini vorgibt, in Reinkultur: Parlando und dramatische Wucht, Kälte und Süße. Einfach perfekt.

Die weiteren Termine: morgen, am 7. und 16. Juni jeweils um 19 Uhr in der Staatsoper, am 10. Juni um 18.30 Uhr.



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