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Spannende Aufführung mit dem Berliner Kriminal Theater

Psychothriller „Erbarmen“: „Die Frau im Käfig“

HAMELN. Was immer er schreibt – es landet in den Sellerlisten. Vor allem auch seine Thriller um Kommissar Carl Morck. Kein Wunder also, dass sich das auf Spannung spezialisierte Berliner Kriminal Theater – das seit vielen Jahren, Saison für Saison, erfolgreich auf unserer Bühne gastiert – den Psychothriller „Erbarmen“ von Jussi Adler-Olsen für sich entdeckt, bearbeitet und inszeniert hat. Und ebenfalls kein Wunder, dass unser Theater – trotz des überraschenden Sommereinbruchs – so gut wie ausverkauft war.

veröffentlicht am 18.05.2017 um 14:06 Uhr
aktualisiert am 18.05.2017 um 14:50 Uhr

Kristin Schulze beeindruckte das Publikum durch ihre schauspielerische Leistung als permanente Gratwanderung. Foto: Herbert Schulze
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Richard Peter Reporter
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Eine Frau ist vor Jahren auf der Fähre nach Puttgarden entführt und in eine Beton-Zelle gesperrt worden. Ein Fall, der nie gelöst wurde. Seit Jahren vegetiert die Frau, von allen vergessen und längst für tot erklärt, in ihrem Beton-Gefängnis. Jeweils an ihrem Geburtstag wird von ihrem Peiniger der Druck im Raum erhöht. Jahr für Jahr. Die grausame Folter eines Maskenmanns – umso grausamer, weil Merete Lynggaard nicht weiß, wofür sie bestraft wird.

Parallel – weil man ihn loswerden möchte – erhält Kommissar Carl Morck ein Sonderdezernat um alte, unaufgeklärte Fälle wieder aufzurollen. Als Hilfe wird ihm der Syrer Hafez zugeteilt und eine Sekretärin. Die Ermittlungen im offiziell abgeschlossenen Fall – keine Anhaltspunkte, keine Leiche – gestalten sich schleppend. Zeugen, die sie befragen, blocken ab, können oder wollen sich nicht erinnern. Aber nach und nach kommt Licht in die Geschichte, die weit zurückreicht. Ein Autounfall mit Toten – und schlimmen Konsequenzen für die Überlebenden. Darunter zwei Jugendliche.

Ein Psychothriller, der sich spannender liest – und doch ein Abend, der über weite Strecken fesselt. Vor allem im zweiten Teil. Silvio Hildebrandt als eigenwilliger Kommissar– Typ „Spürhund“, der sich, einmal auf der Fährte, nicht mehr abschütteln lässt. Alejandro Ramón Alonso als sein Assistent Hafez, eine liebswert-sympathische Figur, die wie selbstverständlich im Büro den Gebetteppich ausrollt. Im Zentrum allemal: Kristin Schulze als Merete, als „Die Frau im Käfig“, die auf kleinstem Raum, mal im grellen Licht, dann in absoluter Finsternis unter steigendem Luftdruck vegetiert. Gefangen gehalten von Lasse Jensen alias André Zimmermann, der Merete die Schuld am Tod seiner Familie gibt. Sich grausam für seine Leiden als Jugendlicher in Gastfamilien und Heimen rächt. Beeindruckend von beiden Schauspielern ihre finale Auseinandersetzung, die kein „Erbarmen“ kennt. Vor allem von Kristin Schulze eine schauspielerische Leistung als permanente Gratwanderung.

Schade, dass vor allem die Einspielungen, auch die Erzähler-Stimme durch den Regisseur Wolfgang Rumpf oft nur schwer zu verstehen waren – was teilweise auch für die Schauspieler gilt, die offenbar in einem „Akustik-Loch“ unserer Bühne agierten. Und nicht ganz glücklich das Bühnenbild, das zwar schnelle, gut gelöste Szenenwechsel ermöglicht, aber weder als Büro überzeugt, weil so heute niemand arbeiten würde, noch in den Szenen, die zwar außerhalb, aber eben auch ohne Veränderung des Schauplatzes stattfinden.

Dennoch eine zunehmend spannende Aufführung, die es im Vergleich mit Verfilmungen nicht ganz leicht hat – und für die Bühne auch gar nicht vorgesehen war.

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