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Political Correctness ist den zwei Comedians schnuppe

Hameln. "Mundstuhl"-Premiere in der Sumpfblume - und wie nicht anders zu erwarten: Den beiden Comedians, die bereits zum zweiten Mal in Hameln Station machten, rutschen, wie Alda Maria Grüter feststellt, die Späße allemal unter die Gürtellinie. Und das Publikum konnte gar nicht genug davon bekommen.

veröffentlicht am 06.02.2011 um 13:14 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:21 Uhr

Kultur
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Von Alda Maria Grüter

Hameln. Die beiden Comedians kenne er aus dem Fernsehen, und ja, sagt ein Besucher kurz vor dem Countdown: Er wisse schon, was ihn erwarte. Sagt es und lacht stumm in sich hinein. Nach seiner Mundstuhl-Premiere – gut eineinhalb Stunden und zahllose verbale Tiefschläge später – wird der Mann seine so selbstsicher klingende Aussage relativieren: Live ist alles doch ganz anders als im Fernsehen, und zugegeben, „teils ganz schön heftig, der Humor…“ 

Weniger überrascht als dieser Comedy-Fan dürften vielleicht diejenigen Gäste gewesen sein, die Mundstuhl vor zwei Jahren auf der Bühne der Sumpfblume erlebt haben – oder doch nicht? Kaum vorstellbar, dass man sich je abhärten könne, meint eine Frau, der angesichts der verbalen Klatschen aus dem Mund von Ande Werner und Lars Niedereichholz – die pfui, ach so schlüpfrigen Gesten nicht zu vergessen – einige Male ein leises „Muss-das-jetzt-sein?“ entfährt. Und doch kann das Publikum im voll besetzten Saal nicht anders als Schmunzeln, Lachen, Grölen. Da mögen die Witze auch noch so platt sein, die Grenzen des (guten) Geschmacks noch so rücksichtslos niedergesabbelt werden.  Hatte das Satire-Paar in der Rolle der prolligen Dragan und Alder bei seinem letzten Auftritt in Hameln ganz nebenbei gemeint, Alder würde den „Hausschu“-Abschlusse automatisch bekommen, wenn er die Lehre abbreche, so schießt sich Mundstuhl diesmal mit dem „Sonder-schüler“-Programm gezielt auf die Bildungsschiene ein. Ganz nach bekannter Manier, satirisch und auf unverschämte (Ausdrucks-)Weise. Einen Abschluss braucht Alder übrigens gar nicht mehr, denn mittlerweile hat er sich ja „selberschetändisch“ gemacht, außerdem fährt er nebenher ganz gerne illegale Autorennen auf der Deisterstraße. In der Schule hageln krasse Sechsen und blaue Briefe, aber auf der Bühne bestechen Dragan und Alder in Sachen Mathe durch echt krasse Ahnung, was komplizierte Messerklingen-Rechenaufgaben anbelangt. Und sogar die Gewinnmaximierung kann Alder ganz locker am Beispiel Backpulver-gestreckter Substanzen veranschaulichen. Zum Kaputtlachen, die Alter Egos, die total bescheuerte Amazing Products an Mann und Frau bringen, und auch an den Grillmeisters entzünden sich die Lachmuskeln. Die verklemmten Friedensaktivisten Torben und Malte übertreffen sich selbst, und wenn Ande Werner und Lars Niedereichholz ohne Punkt und Komma über Batman streiten, möchte man sich nur wegen der Lautstärke die Ohren zuhalten.
 Was es Neues aus der Debilen-Fraktion zu erzählen gibt, amüsiert das Publikum: Sandy und Peggy, wieder einmal Mut zum eigenen geschmacklosen Outfit und Stolz für des Sprösslings schnieke Stiefeln und seine Sonderschul-Tauglichkeit zeigend, plaudern über den neuen Freund mit dem unaussprechlichen Namen. Weswegen ihn Peggy der Einfachheit halber „Bimbo“. nennt. Eine Dämlichkeit nach der anderen rasseln die Damen herunter in einem herrlichen Jargon aus jener trostlosen Plattenbau-Siedlung, die das Publikum als Leinwand-Kulisse vor Augen hat. Auf der Leinwand sind die Komiker aus Hessen übrigens mehrere Male in eingespielten Kurzfilmen zu sehen: Und auch da rutschen die Späße unter die Gürtellinie. Überhaupt: Ob es um Transen, Schulmassaker oder fette Frauen geht, Political Correctness ist den Comedians schnuppe. Und wenn sie selber ankündigen, dass es „noch scheißer“ gehe, dann ist es auch so. Wie auch immer man zu den Gossen-Gags stehen mag: Das Publikum kann offensichtlich gar nicht genug davon bekommen. Die geforderte Zugabe: clever serviert als Werbeveranstaltung für diverse Fan-Produkte.



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