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Finale für Auswärtsspiele mit „Vier Kerzen für ein Halleluja“ in der Sumpfblume

Pointen im Minutentakt

HAMELN. „Vier Kerzen für ein Halleluja“ und diesmal kein Exodus von Sumpfe-Besuchern am Donnerstagabend mit Jess Jochimsen. Grande Finale für die Auswärtsspiele unseres Theaters. Beim nächsten Treff also wieder vertrautes Terrain samt komödiantischen Harmonikern.

veröffentlicht am 15.12.2017 um 16:16 Uhr

Jess Jochimsen überzeugte das Publikum in der Sumpfblume mit seiner Show im familiären Plauderton. Foto: geb
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Autor

Richard Peter Reporter
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Zuvor und „zeitnah“ als Ärgerwort noch ein bisschen Weihnachten und das „Fest der Liebe“ beschworen – allen Politdepressionen zum Trotz. Und politisch gesehen die überraschende Erkenntnis, dass es auch ohne Regierung ganz gut läuft. Kleine Reminiszenz zur Kölner Silvesternacht: „Missbrauch findet in der Kirche statt, nicht davor“.

Wie auch das Krippenspiel als ebenso zentrale wie virtuose Nummer und kabarettistischer Parforce-Ritt. 40 Kinder – alle mit Anspruch auf Rollen und Text im eher kleinfamiliären Sujet. Maria – klar doch, bereits Schulhof-Star und ebenso klar: alle Buam wollten den Josef spielen. Trotz reichlicher Engelscharen, Hirten und die drei Könige auf fünf aufgestockt – es reicht nicht für alle. Die rettende Idee: Eine Bahnfahrt von München nach Bethlehem zur Volkszählung – und die damals ganz real auch hier Ärgerthema – und so die Kids als Schaffner, Lokführer und Bahnpersonal zu besetzen. Nur zwei Figuren bereits am historischen Ort im angestammten Stall: Ochs und Esel.

Alles ganz real – auch die Geburt. Und Jochimsen trotz imposantem, kubistisch gestaltetem Eselskopf mit Schild „Esel“ vor der Brust. Nach reichlich Presswehen war der Heiland geboren – eine riesen Barbie-Puppe, natürlich ohne Locken, die bei Bewegung ein stereotypes „kauf mir was“ tönte. Dann Chaos pur und vom Esel alles mit Ia kommentiert. 58 Mal – und Ia bayrisch als „ich auch“ zu interpretieren. Höhepunkt im ganzen Tohuwabohu: Der Verkündigungsengel im Sturzflug auf die Krippe gekracht. Begeisterte Eltern: „Toll unsere Kinder“. Eine Show im familiären Plauderton – dann überraschend bissfertig und, perfekt getimt, die Pointen im Minutentakt. Eine Mischung aus Politik, Erinnerungen und Familie. Bei Jochimsen – einem Bayern in Freiburg – menschelt es und landet fast immer im realen Gegenteil. Unaufdringlich aber wirkungsvoll. Er lässt einen mitdenken – und statt zu verzweifeln, einfach lachen.

Wechselbäder. Ein Blockflötensolo als „Liebe zurückgegeben“ deklariert. Satire pur. Erinnerungen an Helmut Kohl und seinen Satz: „Ich schaue in mein Aquarium und denke an Deutschland“. Und dann ein Hammersatz nachgeschoben – einfach so: „ein ganz gewöhnlicher Krimineller“. Er kann halt auch böse. Und zur Heimwehorgel ein Lied zur Lage der Nation.

Eine witzige Dia-Schau mit „Letzter Sex-Shop vor der Jungfrau“ und später „Mutti ist die Bestie“ aber auch einer „Analsanierung“. Allemal: Weihnachten eine traurige Angelegenheit und der dringende Rat: feiert Weihnachten nicht zu Hause. Zuletzt eine Coverversion den Bürgern von Alabama gewidmet mit „Leise rieselt der Schnee on Blueberry Hill“.



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