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„Collection 1000“ in der Galerie arche

„Platt wie eine Briefmarke“

Hameln. Ein schicksalsschwerer Flohmarktfund, das „Schwanenberger Briefmarken Album“, Sammelvorlage für Philatelisten in Schwarzweiß. Briefmarken aus rund 600 Ländern und Kolonien, die für Christoph Bartolosch zur Obsession wurden. Denn von 2007 bis heute schuf der Künstler, dessen „Collection 1000“ seit Freitag die arche-Wände füllt, 1000 Abbildungen der Vorbilder, die er im Format von exakt 30 mal 30 Zentimeter umsetzte.

veröffentlicht am 17.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:41 Uhr

Foto: geb

Autor:

Richard Peter
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Mit „expressiver Gewalt“ gearbeitet

Zufallsproduktionen – denn „bARToloschs“ Clou: bevor er ein Motiv in Angriff nimmt, um es mit Acryl feinpinselig von der Vorlage auf die mit Leinwand kaschierten Malkartons zu übertragen, wird gewürfelt: Jedes Auge steht für zehn Minuten. Genau die Zeit, die sich der Künstler für sein Bild nimmt. Zufall, ob nur die Zahnreihe der Marke die Fläche umrandet, ein halbfertiges oder ganzes Abbild entsteht.

Was arche-Chefin Annemarie Hodges für die Vernissage-Besucher vermutete: „Platt wie eine Briefmarke“ – um den „wahnsinnigen Fleiß des Künstlers“ zu bewundern, der vier Tage lang die tausend Einzelstücke überlappend über die Wände verteilte. Auch das nach dem Zufallsprinzip.

Dem so vielbildrigen Projekt lässt sich eine gewisse Faszination nicht absprechen. En bloc und ebenso en détail. Eine Idee umgesetzt, die allein schon aus der Realisation – und der technischen Beherrschung des Malvorganges – ihren Reiz bezieht. Da ist ein Künstler am Werk, der sein Metier beherrscht und eine im Grund wahnwitzige Idee konsequent verwirklicht. Das fordert – schon rein leistungsmäßig – Respekt ab. Und mit Recht wies Dr. Susanne Meyer-Büser, Kunsthistorikerin am Sprengel Museum in Hannover auf die „zur Regel gewordene Unvollständigkeit“ hin, aber auch die selbst aufgestellten Regeln des Künstlers und das von seiner Aufgabe Besessensein. Kunst als Reproduktion und kunstvolle Umformung, die bei aller formalen Strenge dennoch spontan und intuitiv wirkt. Und zusätzliche Bewunderung, mit welch „expressiver Gewalt“ hier gearbeitet wurde – bis zur Sehnenscheidenentzündung.

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