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Orgelmusik mit „Via Crucis – der Kreuzweg“ von Franz Liszt im Münster

Passionierte Passion

HAMELN. Ein „Werkchen“ nannte Max Reger seine Introduktion und Passacaglia in d-Moll – und dann orgelte es doch gewaltig durchs Münster-Schiff. Über „absichtlich nicht so schwer“, wie Reger behauptete, der das „Werkchen“ 1899 anlässlich des Neubaus der Orgel in Schönberg im Taunus komponierte, könnte Maria Potaschnikova vermutlich anderer Meinung sein, so souverän sie die Klangmassen der Introduktion bis zur Passacaglia – ursprünglich ein spanisches Tanzlied und meist in Moll – bewältigte und damit die Orgelmusik zur Passionszeit am Sonntagabend im Münster eindrucksvoll eröffnete.

veröffentlicht am 19.03.2018 um 16:05 Uhr

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Reporter

Der Gegensatz zu den beiden Passionschorälen der „Elf Choralvorspiele“ für Orgel von Johannes Brahms könnte nicht größer sein. Regers „Totentanz“ mit apokalyptischen Steigerungen bis zum Zusammenbruch – und dann im Sinne von volkssprachigem Gemeindelied, ein eher ruhiger, bedächtig tastender Vortrag. In „O Welt, ich muss dich Lassen“ zarte, fast filigrane Passagen.

Herbert Diekmann hatte nicht nur die Begrüßung übernommen – führte vor allem durch „Via Crucis“, die 14 Stationen des Kreuzwegs von Franz Liszt. Begonnen hatte Liszt diese so außergewöhnliche Komposition im Herbst 1878 in Rom und ein Jahr später in Budapest beendet.“Via Crucis“, Jesu Kreuzwegstationen - bei Liszt an die Grenzen der Tonalität getrieben und hier in der Interpretation der Münster-Passion mit Orgelbegleitung, aber ohne Chorsätze.

Mit Hildebrand Haake ein Bass - anstelle eines Baritons - wie man ihn nur selten in solcher Vollendung erleben darf. Eine Stimme, die ansatzlos wie aus dem Nichts sich verströmt, sich Zeit lässt auszusingen und das „crux!“ der 2. Station geradezu überirdisch schön ausklingen lässt. Fast wie ersehnt. Eine ganz große Leistung. Auch von der Organistin, die an der Marcussen-Orgel die Viellfalt der Liszt-Komposition ausschöpft, den jeweils richtigen Ton findet. Überwältigend die verfremdeten Trompetenstöße bei den „Frauen von Jerusalem“.

Liszt verzichtet auf vordergründiges Genre, auf Illustration – erfindet sich für jede Station des Leidensweges seine eigene Tonsprache. Zutiefst beeindruckend, wenn Jesus am Kreuz stirbt, das „Eli, Eli“ der Bassstimme - dieses „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen“ bis zu „Es ist vollbracht“. Ganz eigene Farben auch, wenn Jesus vom Kreuz genommen und in den Schoß Marias gelegt wird.

Eine Pieta-Szene der besonderen Art. Und seltsam verschlungen die Grablegung bis zum erst überraschend strahlenden „Ave crux“, das in der Wiederholung getragen verhallt.

Eine passionierte Passion – selten aufgeführt und im Münster nach 2016, fast auf den Tag genau und auf Wunsch des Publikums jetzt wiederholt. In einer beeindruckenden Interpretation.



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