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Sehr bildhaft, sehr emotional

„Passio Jesu Christi“ in der Martin-Luther-Kirche

HAMELN. Otto Ribbart vom Kirchenvorstand der Martin-Luther-Kirche ist gespannt. „Das ist kein liturgischer Text als Bestandteil des Gottesdienstes, sondern eher eine festliche Barockmusik.“ Nach einer Unterbrechung im letztjährigen Jubiläumsjahr der Reformation, in dem das Passionskonzert in der Marktkirche stattfand, fand das Traditionskonzert wieder wie seit 50 Jahren am gewohnten Ort in der fast voll besetzten Martin-Luther-Kirche statt.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 08:47 Uhr

„Es ist, als ob man sich ein Theaterstück anschaut.“ Foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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Die für das Programm verantwortliche musikalische Leiterin Gesa Rottler hatte diesmal mit der „Passio Jesu Christi“ für Soli, Chor und Orchester von Johann Friedrich Fasch nach einem Text des berühmten Hamburger Dichters Barthold Heinrich Brockes eine musikhistorische Rarität ausgegraben.

„Fasch ist ein auch bei Kennern vergessener Komponist“, berichtet Rottler. Ausgegraben habe sie ihn und sein Werk im Internet. Mit dem Suchbegriff „Passionsmusik unbekannt“ sei sie auf die Kompositionen des musikalischen Autodidakten gestoßen. Dessen Werk stieß seinerzeit auf allergrößtes Interesse seiner Zeitgenossen Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach, der sich einige von Faschs Werken für den Eigengebrauch sogar abschrieb. Rottler: „Fasch war mit zehn vollständigen Kantatenjahrgängen und 35 Messen ungeheuer produktiv, wurde später aber nicht mehr gedruckt und geriet in Vergessenheit.“

Gesa Rottler hat Faschs Werk aufgespürt, teilweise ergänzt und aufführungsfähig gemacht. Die nun zu hörende „Passio Jesu Christi“ illustriert den barocken, sehr bildhaften, 1723 entstandenen Text des Hamburger Barockdichters Barthold Heinrich Brockes.

In der Martin-Luther-Kirche musizierten neben der 28-köpfigen Hamelner Martin-Luther-Kantorei auch das acht Akteure starke Joseph-Haydn-Ensemble und die Solisten Barbara Rotering (Sopran), Georg Drake (Tenor) und der Bass Paul David Lüschen.

„Sehr bildhaft, sehr emotional, fast wie ein Film“, kommentierte eine begeisterte Besucherin das Konzert. „Die dramatischen Texte geben dem Stück eine besondere Note“, so auch Rottler, die den stark filmischen und theatralischen Charakter der Gesamtkomposition bestätigte. „Es ist, als ob man sich ein Theaterstück anschaut.“ Eingängige, dramatisch gestaltete Texte und eine ebenso leicht verständliche, wenngleich jegliche sentimentalen Abschweifungen vermeidende Musik fügten sich zu einer beeindruckenden Gesamtkomposition zusammen, die abschließend von Publikum begeistert und anhaltend beklatscht wurde.

Klangschön, mit harmonisch prächtig gesetzten Chören, ausgezeichnete gesangliche Solo-Leistungen insbesondere des jungen Tenors Georg Drake ließen das Konzert zu einem echten musikalischen Erlebnis und einer musikhistorischen Premiere werden, in der sich barocke Pracht und die dramatisch gestaltete Passion Christi in Text und Musik zu einer beeindruckenden Symbiose zusammenfanden.



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