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Und am Grünen Hügel gibt es erstmals Beifall für den Regisseur Stefan Herheim / Übertragung im Maxx-Kino Hameln

„Parsifal“ stellt sich der braunen Festspiel-Vergangenheit

Bayreuth. Und wie halten wir es mit diesem „Parsifal“? Auf einem großen Spiegel auf der Bühne sieht das Publikum sich selbst in dieser Inszenierung von Stefan Herheim bei den Bayreuther Festspielen. Am Sonntagabend ist sie erstmals in dieser Spielzeit aufgeführt worden. Das Publikum war begeistert – auch von der Regie. Das hat inzwischen Seltenheitswert am Grünen Hügel. Als Dirigent trat Philippe Jordan auf.

veröffentlicht am 30.07.2012 um 18:03 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:41 Uhr

Autor:

Kathrin Zeilmann
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Herheim hält in seiner Inszenierung aus dem Jahr 2008 nicht nur dem Festspielhaus-Publikum dem Spiegel vor, sondern den Deutschen insgesamt. Dieses Volk lässt sich im 20. Jahrhundert begeistert in zwei verheerende Kriege treiben – erst vertraut es seinem Monarchen zu sehr, dann verfällt es einem Diktator. Dieses Volk muss in den Trümmern schmerzhaft die Demokratie lernen. „Parsifal“ ist hier keine individuelle Erlösungsgeschichte. Es ist die Erlösungsgeschichte eines Volkes.

Jordan gibt ein umjubeltes Debüt, führt das Orchester schlank im respektvollen Umgang mit dem Werk, das ja einst von Richard Wagner eigens für das Festspielhaus geschaffen wurde. In der Sängerriege ragt Kwangchul Youn als Gurnemanz heraus, er ist der Publikumsliebling des Abends. Die Titelpartie singt erstmals Burkhard Fritz in Bayreuth, als Kundry ist erneut die routinierte und dramatisch begabte Susan Maclean zu sehen und zu hören. Der Chor (Leitung: Eberhard Friedrich) ist wie immer in glänzender Verfassung.

Die Inszenierung beginnt im wilhelminischen 19. Jahrhundert. Die Kulisse bildet Richard Wagners Haus Wahnfried, sein Grab ist ein zentraler Punkt im gelungenen Bühnenbild (Heike Scheele). Die Figuren tragen dunkle Flügel (Kostüme: Gesine Völlm), doch fliegen können sie nicht. Eher scheinen sie beschwert. Wahnfried als Wiege des Erlösungsgedankens, der weit über die Kunst hinausweist und – siehe NS-Zeit – nicht immer Gutes hervorbringt: Herheim und sein Team haben sich kluge Gedanken gemacht über Wagner, über „Parsifal“, über Bayreuth, über Deutschland. Die Inszenierung stellt sich der braunen Vergangenheit der Festspiele. Dass das Publikum begeistert applaudiert, belohnt Herheims Mut.

Die Aufführung am 11. August um 15.45 Uhr wird im Maxx-Kino Hameln gezeigt. Auch der TV-Sender Arte überträgt.



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