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Jan Josef Liefers’ „Soundtrack meiner Kindheit“ ist akribisch recherchierte Familiengeschichte

Ostblock und Ostrock – ohne Nostalgie

Von Julia Marre

veröffentlicht am 01.07.2010 um 15:05 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 20:21 Uhr

Baute sich einst selbst eine Gitarre, die aber unbespielbar war:
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Seine Kindheit ist ein Stummfilm, sagt Jan Josef Liefers. Aufgenommen vom Vater mit einer russischen Kamera. Nur 43 Minuten lang. Grund genug für den sympathischen Schauspieler, einen Soundtrack dazu zu schreiben. In Buchform. Sein „Soundtrack meiner Kindheit“ beschreibt nicht nur die Sequenzen des Stummfilms. Er liefert eine personalisierte DDR-Geschichte, zeichnet das Porträt seiner Familie und ist eine Liebeserklärung an die Frauen, die den 1964 in Dresden geborenen Liefers prägten.

Doch was ist das Buch für den Leser? Zunächst ein kaum greifbares Sammelsurium aus biografischen Anekdoten, die wenig sortiert scheinen. Der Künstlersohn Liefers erzählt aus dem Astronomie-Unterricht, vom Kennenlernen seiner Großeltern, von politischen Erfahrungen, vom Diebstahl eines Paul-Auster-Romanes. Generationenweit nimmt er Anlauf, ehe er die Beschreibung seiner Kindheit beginnt. Zuweilen blättert man Stirn runzelnd durch den Roman: Geht es hier denn – mal abgesehen von den Kapitelüberschriften – neben Familie und Politik überhaupt um Musik? Ja, aber nicht nur. „Türen öffnen sich zur Stadt“ von den Puhdys war etwa seine erste Platte. Die bekam er im Alter von acht Jahren geschenkt. Und so lange – gefühlt zumindest – dreht sich seine Erzählung um alles. Nur nicht um Musik.

Wenn es dann um Musik geht, zeigt sich Liefers als akribischer Archivar. Neben Songtexten liefert er unzählige und noch mehr Informationen rund um die Band. Stellenweise sind die Fakten gar so umfangreich aufgearbeitet, dass es wirkt, als beinhalte dieses Buch tatsächlich alles aus Jan Josef Liefers’ Kindheit und Jugend. Oder als sei seine Paraderolle, die des Professors Friedrich Karl Boerne im Münsteraner „Tatort“, mit ihm durchgegangen.

Zwar liest sich alles unterhaltsam, ist in gutem, plauderndem Stil und oftmals selbstironisch geschrieben. Aber mit dem „Soundtrack“ verhält es sich leider manchmal wie mit einem alle Themen abgrasenden Smalltalk: kann nett sein, aber auch anstrengend.

Jan Josef Liefers: „Soundtrack meiner Kindheit“, 336 Seiten, Rowohlt, 19,90 Euro.



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