weather-image
21°

Jörg Mannes’ grandioser Ballettabend in der Staatsoper Hannover

Opulente Körpersprache voll Zartheit und technischer Brillanz

Hannover. Schlicht und ergreifend ein grandioser Ballettabend. Zwei Russen – Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ in der Ravel-Fassung und Igor Strawinskys „Der Feuervogel“. Jörg Mannes, Ballettchef der Staatsoper Hannover, ist erneut ein furioser Wurf gelungen. Mannes verzichtet auf Genrebilder in Mussorgskys Klaviersuite in Erinnerung an eine Ausstellung seines Freundes Hartmann, macht eine Geschichte daraus. Ein Mann und sein Tod ist der „rote Faden“ zu Erinnerungsbildern, Begegnungen, Situationen. Ein Leben im Schnelldurchlauf und für den Choreografen die Freiheit, sich ganz auf die Musik einzulassen.

veröffentlicht am 06.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:21 Uhr

Andreas Michael von Arb und Pantelis Zikas. Foto: Gert Weigelt

Autor:

Richard Peter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Fantasievoll gelingen raffinierte Hebungen

Mit Andreas Michael von Arb hat Mannes einen charismatischen Tänzer, der in den erinnerten Liebesszenen mit Cássia Lopes und Catherine Franco brilliert – und mehr als bewundernswert, wie fantasievoll Mannes neue raffinierte Hebungen und Verschlingungen, verblüffende Tempowechsel gelingen. Herausragend aber – geradezu einzigartig – die homoerotische Begegnung mit Denis Piza. So selbstverständlich, so innig, konzentriert und glaubwürdig und ohne Hautgout ist vermutlich noch nie eine solche Szene choreografiert worden. Meisterlich und bei aller Dezenz hocherotisch.

Die Klammer für die so unterschiedlichen Sujets des Ballettabends: das Bühnenbild von Tina Kitzing mit einem weit gespannten Lamellen-Rahmen, der Spiele mit Lichteffekten erlaubt – aber auch vom Feuervogel bewegt wird.

In Strawinskys klassischem Ballett-Debüt, 1910 an der Pariser Oper, sind es zwei auf Spitze gesetzte Trapeze in Schwarz-Weiß, die sich drehen lassen – und an Stelle des riesigen Eis, in dem das Geheimnis für des Zauberers Unsterblichkeit liegt – eine Art Lebens-Licht-Faden.

Mit Keiko Nisugi – längst Liebling der Hannoveraner – hat Mannes eine exotische Exponentin, die für das märchenhaft Verfremdete sorgt. Eine grandiose Leistung der Ausnahmetänzerin. Ebenbürtig, fast, Marco Boschetti als Zarewitsch, Karine Seneca als Zarewna und David Blázquez als Kaschtschei. Mannes entwickelt die Geschichte aus drei russischen Märchen mit der berühmten Baba Jaga und ihrem Häuschen auf drei Hühnerbeinen ganz aus dem Märchenhaften.

Karen Kamensek dirigierte die Stücke

Ein Zaubertrick geradezu – bei Strawinskys Musik zum infernalen Monster-Grusel mit rhythmischen Brechern, setzt er überraschend auf Statik. Was sich nicht steigern lässt, muss man konterkarieren. Und aufregend, weil so selten – mit Karen Kamensek eine Frau, die die so expressiv-anspruchsvollen Stücke dirigierte und musikalisch zum Erlebnis werden ließ. Jubel bei der Premiere und Hannovers Ballett auf dem Weg zu einer Ausnahmestellung.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?