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3sat verwöhnt mit wunderschönen Aufzeichnungen und mit Anna Netrebko

Opernhit auf Opernhit – Totgesagte leben eben tatsächlich länger

Hameln. „Totgesagte“, heißt es geradezu sprichwörtlich, „leben länger“. Lebendigstes Beispiel: die Oper, die alle naselang für restlos vorbei und mausetot erklärt wird und hast du’s nicht gesehen – ein Phönix aus der Asche – wieder höchst lebendig Triumphe feiert, die Menschen begeistert und verzaubert. Und zuletzt nächtelang vor den Bildschirm bannt. Über vier Stunden Wagners „Lohengrin“ mit Jonas Kaufmann auf 3sat und Schlag auf Schlag: „Rosenkavalier“ von Richard Strauss mit der Flemming als Marschallin, Fidelio in einer Aufzeichnung mit Waltraud Meier und Peter Seiffert, dann die „Tosca“ in der Bregenzer Inszenierung mit dem großen Auge als „Big Brother“, Verdis „Aida“, ebenfalls auf der Seebühne, diesmal unter Carlo Rizzi und die Serie in der Silvesternacht nur von Michael Jacksons Madison-Square-Garden-Konzert unterbrochen – dann wieder große Oper aus dem Salzburger Festspielhaus mit Martin Kusejs spektakulärem „Don Giovanni“ mit Thomas Hampson in der Titelrolle.

veröffentlicht am 03.01.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:21 Uhr

Autor:

Richard Peter
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Und jetzt am Sonnabend Puccinis „La Bohème“ mit Anna Netrebko als Mimi und Rolando Villazón als Rodolfo – gestern Abend Mozarts „Die Zauberflöte“ aus Zürich mit Nikolaus Harnoncourt am Pult. Heute steht Bizets „Carmen“ mit Maria Ewing auf dem Abend-Programm und zuletzt Verdis „La Traviata“, Anna Netrebkos Sensationserfolg bei den Salzburger Festspielen unter der Regie von Willy Decker.

So sehr Opern – wenn auch nur als Nischendasein – auf 3sat immer existent waren und ihre treue Klientel begeistern: So nachhaltig, so massiv, so geballt ist Oper schon lange nicht mehr präsent gewesen. Ausgerechnet zu einer Zeit in der die Auguren wieder mal verstärkt vom nahen Tod des Genres orakeln.

Dem entgegengesetzt: eine Podiumsdiskussion, wenn auch schon vor langer Zeit aufgezeichnet, mit August Everding als Moderator und den beiden Star-Kritikern für Literatur und Musik, Marcel Reich-Ranicki und Wolfgang Kaiser, unter dem sinnigen Titel „Prima la musica, poi le parole“ – oder fallweise auch umgekehrt – und jetzt aus aktuellem Anlass am Sonnabend erneut ausgestrahlt..

Das Faszinierende an Oper: Das Gesamtkunstwerk aus Drama, Komödie, Posse oder was auch immer in Verbindung mit Musik, Darstellung, Licht und der einzigartigen Atmosphäre – letztlich auch im Fernsehsessel – geboten wird. Elke Heidenreich, die so toughe Moderatorin und Literatur-Besessene bekennt: Ich muss nur in die Oper gehen, das Licht geht aus, die Musik setzt ein und ich beginne hemmungslos loszuheulen. Was sie sich, die so unerbittlich und hart sein kann sonst nicht leisten will – hier sprudeln die Tränen in namenlosem Glück – hier öffnen sich alle Schleusen. Vermutlich ist es das, was aus dem Unding Oper, in der Menschen singen, statt zu sprechen und auch sonst nichts so ist, wie es gemeinhin ist, so gefangen nimmt.

Zugegeben: Die Mehrheit schaut verwundert auf das, was da passiert – aber wenn, wie am Samstagabend mit einer Anna Netrebko als Mimi und Rolando Villazón als Rodolfo Puccinis geniales Liebesduett „ O soave fanciulla...“ – O liebliches Mädchen“ – beginnt, dann sind vermutlich alle, die es erleben dürfen, zutiefst berührt, kullern, wie bei der Heidenreich, erlösend die Tränen. Aus nichts als Begeisterung – und wenn Mimi-Anna, am Schluss ihr Leben aussingt – und niemand kann das so schön wie die Netrebko – dann ist das jährliche Heulkontinent zu einem Drittel ausgeweint.

So begeisternd die Aktion von 3sat – sie stößt auch an Grenzen. Was durch die Distanz zur Bühne und live gemildert ist: die Kamera saugt sich an den Gesichtern fest. Und große Sängerdarsteller sind nun mal rar gesät. Placido Domingo gehört dazu, ein begnadeter Darsteller, wie die Julia Migenes mit der er den „Carmen“-Film zum Hit machte – und eben auch eine Netrebko die nicht nur überwältigend singt, sondern auch eine hinreißende Schauspielerin ist. Und last, but not least: eine bezaubernd schöne Frau, der man glaubt, dass ihr als Violetta die Männer zu Füssen liegen.

Opernfans werden die Abende und Nächte auf 3sat genossen haben und genießen.

Totgesagte leben eben tatsächlich länger.



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