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Alles nur Komödie? Giuseppe Verdis „Falstaff“ hat am Theater für Niedersachsen Premiere gefeiert

Oper in Käfighaltung

Hildesheim. Größte Heiterkeit im Hildesheimer Stadttheater: Im Publikum wird laut gelacht, sobald der absurd aufgeblähte Ritter mit Hörnerhelm über die Bühne stakst. Man klopft sich auf die Schenkel, wenn die beiden Diener in eine slapstickartig choreografierte Prügelei geraten. In einem Opernhaus sind solche Reaktionen alles andere als alltäglich.

veröffentlicht am 26.09.2013 um 16:36 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Stefan Arndt
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Aber immerhin gibt man hier mit Giuseppe Verdis „Falstaff“ eine der wenigen echten Komödien des Musiktheaters. Und Regisseur Ansgar Weigner hat sich nicht lumpen lassen und alle Scharniere des Schwanks bestens geschmiert.

Seine Inszenierung am Theater für Niedersachsen (TfN) ist über weite Strecken ungeheuer detailscharf und präzise gearbeitet und sorgsam mit der Partitur abgestimmt. Wenn die Musik auch nur eine Sekunde lang grell trillert, wird auf der Bühne genau dann der Beutel mit Goldmünzen geschüttelt. Und wenn die Handlung für einen Moment stillzustehen scheint, hält Weigner das Vergnügen mit kleinen Szenen wie dem Kampf um den besten Sitzplatz aufrecht. So musikalisch, so pointensicher ist längst nicht jede Operninszenierung.

Umso bedauerlicher ist es, dass Weigner sich allein auf sein handwerkliches Können beschränkt. Seine Inszenierung wirkt, als habe man die Oper in einen Käfig gesperrt. Die Balkenkonstruktion eines Fachwerkhauses begrenzt alle Szenen. Die Außenwelt ist nur noch farbiger Hintergrund, der Tageszeit (nächtliches Blau) oder Stimmung (empörtes Rot) reflektiert. Im Balkenkäfig lässt Weigner das Stück ohne Bezüge zum Hier und Jetzt abschnüren.

Die betulich-ironischen Kostüme von Eckhard Reschat wären in einer Produktion vor 50 Jahren nicht weiter aufgefallen, und auch die Figuren tun auf der Bühne nichts anderes, als sie es wohl zu Shakespeares Zeiten getan haben, der mit den „Lustigen Weibern von Windsor“ die Vorlage für Verdis Spätwerk geschaffen hat.

Ein solches eher museales Theaterverständnis mag der Traum einiger Opernliebhaber sein, die sich durch beherzte Regiekonzepte eher gestört als angeregt fühlen. In Hildesheim blickt man auf die Oper wie auf einen eingesperrten Wellensittich: Sie ist putzig anzusehen, aber gleichgültig.

Die weiteren Termine: am 5., 10. und 21. Oktober im Stadttheater Hildesheim.

Putzig anzusehen: Bardolph (Jan Kristof Schliep), Falstaff (Levente György) und Pistol (Nicolas Kröger).

Andreas Hartmann



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