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Das Musikjahr 2012 ist geprägt von besonderen Jubilaren und einem neuen „Ring“ in München

Ohne große Gedenktage – und mit Novitäten

Der Kalender der Jahrestage taugt in diesem Jahr nur begrenzt als Lehrbuch der Dramaturgen. Wer seine Programmgestaltung gerne auf Jubiläen ausrichtet, der muss sich diesmal Programme für Spezialisten einfallen lassen. Aber vielleicht ist nach dem doppelten Gustav-Mahler-Jahr (150. Geburtstag 2010 und 100. Todestag 2011) und dem nicht wirklich ausgereizten Franz-Liszt-Jahr auch einmal Atemholen angebracht.

veröffentlicht am 03.01.2012 um 17:10 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 21:41 Uhr

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Autor:

Rainer Wagner
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Ob wegen des 450. Geburtstags von Jan Pieterszoon Sweelinck die Orgelkonzerte der Republik wesentlich anders ausfallen, ist ebenso fraglich wie die Nachwirkung des 400. Todestags von Giovanni Gabrieli. Claude Debussy spielt man auch ohne 150. Geburtstag gerne. Frederick Delius und seiner luxuriösen Unterhaltungsmusik wird das gleiche Jubiläum zumindest bei uns nicht viel helfen. Auch der französische Opern-Vielschreiber Jules Massenet bleibt an deutschen Bühnen eine Rarität, obwohl seine „Manon“ Puccinis „Manon Lescaut“ nicht nachsteht. Immerhin wird ja Massenets „Meditation“ (aus der Oper „Thaïs“) gern als Zugabe gespielt. Und ob John Cage (100. Geburtstag) die Flucht aus dem Getto der Neuen Musik gelingt? Sein Schweigen der (Klavier-)Hämmer ist doch immer spannend.

Von großen Gedenktagen ist 2012 nicht die Rede, aber wenn in den nächsten Monaten alle Opernfreunde nach München schauen, spielt natürlich das Wagner-Jahr 2013 eine Rolle. An der Bayerischen Staatsoper schmiedet man einen neuen „Ring“. Wenn der in Hannover als Schauspielregisseur noch nicht vergessene Andreas Kriegenburg und Münchens Noch-Opernchefdirigent Kent Nagano gemeinsame Sache machen, warten nicht nur die Wagnerianer darauf, wie hoch die Bayerische Staatsoper die Messlatte für die Bayreuther Festspiele legen wird. Dort soll – nach gegenwärtigem Planungsstand – Regie-Berserker Frank Castorf im nächsten Jahr den Jubiläums-„Ring“ rundbiegen. In München geht es am 4. Februar mit „Das Rheingold“ los; rechtzeitig zu Beginn der Münchener Opernfestspiele Ende Juni will man bei der „Götterdämmerung“ angelangt sein.

Auf dem Grünen Hügel gibt es in diesem Festspielsommer als Novität die Zusammenarbeit des Bayreuth-Halbgotts Christian Thielemann mit dem eher als Schauspielmann bekanntgewordenen Nachwuchsregisseur Jan Philipp Gloger. Sie präsentieren am 25. Juli Wagners „Fliegenden Holländer“. Fast zeitgleich geht es immer auch in Salzburg los, doch dort hat der neue Festspielchef Alexander Pereira den Festspielen noch ein mehrtägiges Vorspiel zugedacht. Jetzt ertönt am 20. Juli Haydns „Die Schöpfung“, am nächsten Tag folgt Händels „Der Messias“ – allerdings in der Bearbeitung Mozarts. Dem Lokalheiligen steht dann auch die erste Opernpremiere zu: Seine „Zauberflöte“ wird von Nikolaus Harnoncourt und Jens-Daniel Herzog am 27. Juli allerdings nicht im „Haus für Mozart“, sondern in der Felsenreitschule präsentiert. Eine Woche später gibt es die Fortsetzung: Peter von Winters „Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen“.

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Kent Nagano

In Salzburg heißt in diesem Sommer das Festspielmotto: Mehr ist besser. Mehr Premieren, mehr Etat – und höhere Eintrittspreise. Und zum Abschluss ein Festspiel-Ball. Die aktuellste Oper sind Bernd Alois Zimmermanns „Die Soldaten“, aber wer auf Uraufführungen aus ist, blickt besser nach München, wo die 13. Opernbiennale im Mai Novitäten bringt. Oder nach Bregenz, wo im Juli Dieter Glanert Stanislaw Lems „Solaris“ zur Oper macht.

Und im nächsten Jahr gibt es dann Superjubiläen im Doppelschlag: Das Wagner-Jahr ist auch ein Verdi-Jahr.



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