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Das St. Petersburg Festival Ballet tanzt „Schwanensee“ im Theater

Nostalgisch brillant

Hameln. Satte 120 Jahre, die Tschaikowskis „Schwanensee“ mittlerweile auf dem Ballett-Buckel hat und als einziges Tanz-Ereignis mit Sucht-Potenzial gilt. Ganz alt – und ganz oben in der Beliebtheitsskala. Ein Evergreen vor allem die Uraltfassung nach Marius Petipa und Lew Iwanow. So etwas wie ein kleines Wunder, das sich ewig wiederholt. Mit kleinen Veränderungen manchmal. Ein sehr deutsches Märchen, bei dem der letzte echte Märchenprinz, allemal der „Kini“ samt Neuschwanstein, den Paten gibt.

veröffentlicht am 11.12.2015 um 14:37 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:44 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Das so sehnsüchtige Schwanen-Motiv erinnert nicht ganz zufällig an Lohengrins „Nie sollst du mich befragen“. Ballett pur – auch wenn es mit den heutigen Vorstellungen von Ballett kaum noch etwas zu tun hat. Eine so nostalgische wie liebenswerte Nische, die das St. Petersburg Festival Ballet am Donnerstagabend auf Hamelns Bühne fast perfekt bediente.

Geradezu unbegrenzter Respekt für ein Ensemble, das auf Tournee nicht täglich im Ballettsaal trainieren kann und dennoch eine Präzision zelebriert, die man nur staunend bewundern kann bei diesem so schweißtreibenden Job, der so federleicht daherkommt. Und als Compagnie zudem über herausragende Solisten verfügt. Margarita Zhuchina als der weiße Schwan Odette und im dritten Akt als Gegenstück, dem schwarzen Schwan Odile. Erstaunlich, wie Zhuchina dem nächtlichen Schwarz bei aller Brillanz mit ihrem bezaubernden Lächeln mehr Wärme gibt, als dem eigentlich sympathischeren Schwan, der Lichtgestalt, die sie vergleichsweise leidend gestaltet. Dennoch: faszinierend in beiden Rollen, die ganz klassisch und eindeutig von Arabesquen geprägt sind.

Einen Höhepunkt bildet der sogenannte weiße Pas de deux, wenn Odette von der Spitze langsam zu Boden sinkt, in die berühmte Figur des „sterbenden Schwans“ gleitet und ihre Arme wie Vogelflügel nach vorne legt. Virtuos auch die langsamen Pirouetten, bevor Odette kopfüber in eine tiefe Arabesque sinkt. Das ist schlicht höchste Tanzkunst.

Und auch der Prinz, Michael Tkachuk, im ersten und zweiten Akt noch etwas blass und nicht viel mehr als „Ballettstange“ für die Primaballerina, gewinnt vor allem in seinen Soli und fulminanten Sprüngen Persönlichkeit. Bewundernswert, was die Sprung-Varianten betrifft, auch der Hofnarr – und eine perfekte Nachtgestalt der dramatischen Art: Viktor Smirnow als Rothbart.

Ein hochkarätiges Ensemble mit vielen exzellenten Nummern wie den berühmten „vier kleinen Schwänen“ mit ihren virtuosen 16 Pas de chats diagonal über die Bühne. Wunderschön im dritten Akt, dem Festball im Schloss mit dem faszinierenden „schwarzen Pas de deux“, auch die Nationaltänze, die zu Recht allesamt Sonderapplaus erhielten. Klassische Divertimenti als Glanz-Nummern.

Eindeutig das märchenhafte Finale, in dem die Liebe über das Böse triumphiert. Das ist nicht immer so. Und ein bisschen auch Sieg des Alten. Nicht über das Neue. Nur: so ein bisschen Klassik als Alternative. Nicht nur nostalgisch.



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