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Keineswegs „müde Helden“

Nordwestdeutsche Philharmonie mit musikalischem Glanz

HAMELN. Im Rahmen der „Musikwochen Weserbergland“ stand auch in diesem Jahr ein großes Sinfoniekonzert auf dem Programm, wieder in der akustisch durchaus geeigneten Katholischen Kirche St. Augustinus. Unter dem Titel „Helden“ musizierte die einst in Bad Pyrmont gegründete, seither in Herford ansässige Nordwestdeutsche Philharmonie, erneut geleitet von Kreiskantor Stefan Vanselow. Und sie bewies mit drei funkelnden Glanzlichtern, daß sie zu den besten Orchestern dieser Region gehört.

veröffentlicht am 28.05.2018 um 15:43 Uhr
aktualisiert am 28.05.2018 um 18:30 Uhr

Das Sinfoniekonzert der Nordwestdeutschen Philharmonie im Rahmen der „Musikwochen Weserbergland“ fand großen Anklang beim Publikum. .Foto: geb
Holländer1

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Ernst-Wilhelm Holländer Reporter
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Es begann mit der dritten „Leonore“-Ouvertüre, die Beethoven für seine Oper „Fidelio“ schuf, die aber wegen ihrer Länge und des hohen sinfonischen Gehalts als Vorspiel nicht in Frage kam und meistens vor dem Schlußbild der Oper gespielt wird. Als Konzertstück ist sie immer ein Juwel und erklang hier mit samtener Wärme in der Einleitung über die meisterliche Durchführung bis hin zum strahlenden Glanz in der beschließenden Stretta. Und natürlich hörte man auch das berühmte Trompeten-Signal sehr wirkungsvoll aus der Ferne.

Der britische Komponist Gustav Holst schuf 1914/1916 den Zyklus „Die Planeten“, ein Werk von spätromantischem Gehalt, das sich zumindest in England immer noch großer Beliebtheit erfreut. Hier erklingt es selten, höchstens den langen Einzeltitel „Jupiter“ hört man gelegentlich im Radio.

Hier wurden nun die beiden ersten Stücke musiziert, und man lernte eine reizvolle Musik kennen. Vanselow und das Orchester hatten sich für eine in der Besetzung reduzierte Fassung entschieden, weil das gewaltige Instrumentarium der Originalfassung wohl die Möglichkeiten gesprengt hätte. Im ersten Stück „Mars, der Kriegsbringer“ türmten sich wahre Klangkaskaden auf, zumeist recht martialisch, mit vielen solistischen Einwürfen („toll etwa die Leistung des Schlagzeugers“).

Unter der Leitung von Kreiskantor Stefan Vanselow wurden drei musikalische Glanzlichter aufgeführt. Foto: geb
  • Unter der Leitung von Kreiskantor Stefan Vanselow wurden drei musikalische Glanzlichter aufgeführt. Foto: geb

Im Gegensatz dazu hat der zweite Titel „Venus, die Friedensbringerin“ eher lyrischen Charakter, man meint oft, Debussy oder Strawinsky herauszuhören. Alle Gruppen des verkleinerten Orchesters boten herausragende Leistungen, sicher und präszise gesteuert von Stefan Vanselow. Man hatte übrigens schon am Vorabend in Bad Salzuflen Gelegenheit gehabt, zueinander zu finden. Sodann als Abschluß Beethovens „Eroica“, seine immer wieder und gern gehörte großartige Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur, opus 55.

Jede Aufführung wird verglichen mit zahlreichen berühmten Darbietungen, und hier darf man sagen, daß Stefan Vanselow und die Nordwestdeutsche Philharmonie solche Vergleiche überhaupt nicht scheuen müssen. Der herrlich durchgebildete Kopfsatz erklang in frischem, durchaus angemessenem Tempo, alle Einzelheiten wurden fein herausgearbeitet, einfach glanzvoll. Der langsame Satz „Adagio assai“ hat, so muß man wohl sagen, einige wenig himmliche Längen, aber in dieser Wiedergabe mit liebevoll gestalteten Details kam er doch an. Über das Scherzo muß nichts mehr vermerkt werden. Aber wie sonor und kompakt erklangen im Trio die Hörner!

Und die Steigerungen des Schlußsatzes wurden über die Pizzicati des Anfangs, über alle meisterhaft komponierten Variationen, auch über das Fugato hinweg bis hin zum strahlenden Finale mitreißend aufgebaut. Da hat sich der überwiegend in der Kirchenmusik beschäftigte Stefan Vanselow mit einem allerdings auch besonderen Orchester ein kleines Denkmal im großen Konzert-Alltag gesetzt!

Vielleicht zählt man ihn auch zu den hier in allen Werken aufgetretenen Helden, die man ja wahrlich nicht müde nennen kann!



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