weather-image
13°
Wie Festivalleiter Alberto Barbera den Filmfestspielen von Venedig neuen Glanz verleihen will

Newcomer und Frauen sollen’s richten

Venedig. Aus weniger soll mehr werden, könnte das Motto des 69. Internationalen Filmfestivals von Venedig lauten, das morgen beginnt. Wie vielerorts in Europa gilt auch am Lido, dass gespart und reformiert werden muss. Alberto Barbera, der neue Leiter der Festspiele, plant ein Festival, das sich auf seine Stärken konzentriert, mit verschlanktem Programm und einigen einschlägigen Modernisierungen. Der Weg dahin ist verbunden mit dem Abschied von so manch großartigem Traum der Vergangenheit.

veröffentlicht am 27.08.2012 um 18:13 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 22:41 Uhr

270_008_5777513_ku_105_2808_venedig.jpg

Autor:

Barbara Schweizerhof
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Da wäre zum Beispiel der Traum, das wichtigste Festival der Welt zu sein, auf dem die großen internationalen Produktionen ihre Premiere feiern. Das auf 18 Filme reduzierte Wettbewerbsprogramm von „Venezia 2012“ zeigt vielmehr eine solide und ausgewogene Auswahl des weltweiten Arthouse-Kinos. Mit Namen wie Brian de Palma, Terrence Malick, Paul Thomas Anderson und Olivier Assayas sind berühmte Regisseure vertreten. Mit Stars wie Zac Efron, Dennis Quaid, Noomi Rapace, Rachel MacAdams und Ben Affleck ist für den nötigen Glamour am roten Teppich gesorgt. Und doch vermisst man die eine oder andere große Nummer wie Quentin Tarantino und sein „Django Unchained“. Verabschiedet wird auch der Traum von der Exklusivität eines Filmfestivals: Erstmals wird eine Auswahl an Filmen begleitend zur Premiere per Streaming zur weltweiten Sichtung angeboten.

Eröffnungsfilm ist „The Reluctant Fundamentalist“ von der indischen Regisseurin Mira Nair. Darin muss sich ein junger Pakistani sich zwischen seinen Erfolgsträumen an der Wall Street und alten Allianzen seiner Heimat entscheiden. Einmal mehr aber sind es die US-amerikanischen Filme, die vor dem Festivalstart die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Besonders gespannt ist man auf Paul Thomas Andersons „The Master“, in dem Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix in den Aufbau eines „Glaubenssystems“ verwickelt sind, das offenbar stark an Scientology erinnert.

Terrence Malick, erst 2011 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet für den Welterklärungsentwurf „The Tree Of Life“, stellt mit „To the Wonder“ ein intimes Beziehungsdrama vor. Und Brian de Palma präsentiert mit „Passion“ einen Thriller, der einige Medien in Italien vorauseilend nach einer Überprüfung des Festivals auf Jugendeignung rufen ließ: Rachel MacAdams und Noomi Rapace spielen zwei Frauen, die ein düster-erotisches Geheimnis verbindet.

Mit Stolz verweist das Festival auf die hohe Quote von Regisseurinnen im Gesamtprogramm. Allein im Wettbewerb sind es vier. Die Konkurrenz in Cannes war in diesem Jahr stark dafür kritisiert worden, dass im Wettstreit um die Palme keine Frau beteiligt war.

Verschlankt wurden sämtliche Sektionen des Festivals, in dem Deutschland fast ausschließlich als Koproduktionsland in Erscheinung tritt. Die rein italienische Reihe hat Barbera eingestellt.

Den schmerzhaftesten Abschied aber bildet wohl der von dem Traum eines neuen Festivalpalasts, der die durch seine maroden Altbauten bedingten Strukturprobleme des Festivals endlich lösen sollte. Vor fünf Jahren war der Bau beschlossen worden; vor drei Jahren wurde die Baugrube ausgehoben; nun wird sie wieder zugeschüttet. Schilder mit der Aufschrift „Hier liegen 37 Millionen Euro begraben“ schmückten bereits das Areal mitten auf dem Festivalgelände. Dass man beim Aushub illegal deponiertes Asbest fand, ist nur einer der Gründe, warum das Projekt aufgegeben wird. Es ist kein Geld mehr für einen Festivalpalast vorhanden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt