weather-image
23°

Neujahrskonzert „eine Offenbarung“

Daniel Barenboim, gleichermaßen berühmt als Pianist und Dirigent, hat jetzt in einem Interview bekannt, dass er stolz ist, von den Wiener Philharmonikern bereits zum zweiten Mal als ihr Dirigent für das weltweit übertragene Neujahrskonzert eingeladen worden zu sein. Zwischen ihm und dem Orchester habe sich eine Art "Liebesbeziehung" entwickelt, sagte er. Einen Schwerpunkt des Konzerts bildet der Ausbruch des 1. Weltkriegs. Aber natürlich werden auch wieder die Walzer der Strauß-Dynastie zu hören sein.

veröffentlicht am 29.12.2013 um 15:55 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

ku
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Berlin. Vier Jahre nach seinem ersten Neujahrskonzert mit den Wiener Philharmonikern kehrt Daniel Barenboim an die Donau zurück. Er habe den Eindruck, zwischen ihm und dem Orchester habe sich so etwas wie eine „Liebesbeziehung“ entwickelt – „sonst hätten sie mich wohl nicht eingeladen“, sagt Barenboim. Das Neujahrskonzert legt in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf das Gedenken an den Ausbruch des 1. Weltkriegs. Aber auch die beliebten Walzer der Strauß-Dynastie werden gespielt. Das Konzert wird am 1. Januar live vom ZDF übertragen.

Sie hatten 2009 bereits das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigiert. Gibt es so etwas wie eine „Liebesbeziehung“ zwischen Ihnen und den „Wienern“?
Da müsste man beide Seiten befragen. Aber von meiner Seite auf jeden Fall. Ich muss aber annehmen, dass die Liebe auch vom Orchester kommt, sonst hätten sie mich nicht eingeladen. (lacht).

Was reizt Sie am Neujahrskonzert?
Erstens die Philharmoniker. Man sollte Orchester untereinander nicht vergleichen, und es gibt ja verschiedene Orchester, die alle auf sehr hohem Niveau spielen. Aber bestimmte Dinge gehören den „Wienern“ fast exklusiv – und dieses Programm ist so ein Fall. Es hat mich fasziniert, mit welcher Hingabe und Zuneigung wir vor vier Jahren gemeinsam probten. Man könnte ja denken, dass die „Wiener“ ein solches Repertoire mit Autopiloten spielen – überhaupt nicht! Sie haben sich die ganze Neugier bewahrt.

Dabei könnten Banausen meinen, dass es zwischen einzelnen Walzern keinen so großen Unterschied gibt ...
Auf keinen Fall – Walzer sind viel differenzierter, als man denkt. Einige sind ernsthafter, andere melancholischer. Es gibt den Rhythmus des Wiener Walzers, bei dem der zweite Schlag etwas früher kommt, der dritte etwas später. Und es gibt unterschiedliche Arten zu spielen, die Länge der Töne, die Phrasierung. So ein Orchester, das den Stil so perfekt beherrscht und die Neugierde hat, sich darüber Gedanken macht – das ist eine Offenbarung.

Können Sie sich an Ihren ersten Eindruck des Orchesters erinnern?
Die „Wiener“ waren das erste Weltklasse-Orchester, das ich gehört habe. Ich kam aus Argentinien, war neun Jahre alt und hörte sie 1952 in Salzburg in Konzert und Oper. Bei allem Respekt für argentinische Orchester – so etwas hatte ich noch nie gehört! Erst in den sechziger Jahren habe ich dann am Klavier unter Zubin Metha und mit Karl Böhm in Salzburg gespielt.

Was ist so speziell an den Wiener Philharmonikern?
Ihr Klang ist mit der Idee von Gesang und Tanz verbunden. Die Musiker wechseln stets vom Konzertpodium zum Operngraben und gewinnen dabei Assoziationen zu Texten und Stimmungen, die aus den Inszenierungen kommen – ein Reichtum, aus dem nicht jedes Orchester schöpfen kann. Und dadurch, dass die „Wiener“ keinen Chefdirigenten haben, warten sie nicht passiv darauf, dass ein Dirigent sie animiert, sondern haben bereits eine eigene Klangvorstellung. Im besten Fall entsteht dabei mit dem Dirigenten eine wunderbare Einheit, die nicht entstehen könnte, wenn der Dirigent alles sagen muss oder das Orchester nicht auf den Dirigenten hört.   Interview: Esteban Engel



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?