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Katharina Gaenssler und Alexander Rodtschenko im Sprengel Museum

Neue und alte Experimente mit dem Medium Fotografie

Hannover. Die Digitalfotografie hat uns überrannt. Das Knipsen ein Kinderspiel: ein Klick – und das Gewünschte ist im Kasten. Aber nicht ein Bild, nein, Hunderte von Fotos landen etwa nach dem Urlaub im PC-Speicher, später im Album, oder bei ansteigender Masse im Pappkarton.

veröffentlicht am 08.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Klaus Zimmer
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Die Münchner Künstlerin Katharina Gaenssler (geboren 1974) hat sich darüber so ihre Gedanken gemacht. Nicht nur während ihrer Reisen, auch an Orten eigener Prägung entstanden eine Unzahl von Fotos. Auf einer Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn wuchs die Beute schon auf 8 764 Bilder. Und in einem ehemaligen KGB-Gefängnis in Potsdam hat Katharina Gaenssler sogar 14 355 Mal auf den Auslöser gedrückt.

Für die Künstlerin beginnt dann die eigentliche Arbeit. Das Einzelbild wird zum Detail eines Bilderflusses, den sie in Büchern, auch in räumlichen Installationen, zu einem Gesamtwerk zusammenfügt. So konnte sie die fotografische Zerlegung des KGB-Gefängnisses in neun Büchern bündeln. Sie will damit das individuell Gesehene, auch auf Abruf, für immer in Sicherheit wissen.

In der Ausstellung im Sprengel Museum zeigt Katharina Gaenssler 22 Buchwerke in insgesamt 85 Bänden, jeweils handgebunden, in geringer Auflage. Aktuell hat die Künstlerin – weil es ihr stets um Überschneidungen von Kunst und Umwelt geht – Kurt Schwitters’ Merzbau, dessen Rekonstruktion im Sprengel Museum, als Sujet aufgegriffen, um jedes Detail in das fotografische Medium einzufügen.

In einer zweiten Ausstellung sind Fotografien von Alexander Rodtschenko (1891 bis 1956) zu sehen. Der Petersburger Maler, Bildhauer, Fotograf und Typograf war neben Kasimir Malewitsch und Wladimir Jewgrafowitsch Tatlin einer der bahnbrechenden russischen Konstruktivisten. In der Hoffnung auf den eingeleiteten gesellschaftlichen Wandel trieb er die eigene künstlerische Arbeit voran. Wenn auch im Bereich der Plakatkunst und Typografie ungewöhnliche Entwürfe entstanden, so widmete sich Rodtschenko ab 1920 ganz der Fotografie, von denen jetzt zwei Editionen vorgestellt werden: die neue Sicht eines Künstlers, der seiner Zeit um viele Jahre voraus war.

Die Werke von Alexander Rodtschenko sind bis 11. April im Sprengel Museum zu sehen, die von Katharina Gaenssler bis 2. Mai.

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