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Komponist Max Richter verbeugt sich vor Virginia Woolf

Neoklassik mit Niveau

BERLIN. Nicht vielen zeitgenössischen Klassik-Komponisten gelingt der Sprung in die regulären Albumcharts. Max Richter ist einer davon. Mit einem berührenden Werk verbeugt sich der Brite nun vor einer der wichtigsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts.

veröffentlicht am 24.01.2017 um 13:09 Uhr
aktualisiert am 27.01.2017 um 11:45 Uhr

Der international erfolgreiche Komponist Max Richter wurde 1966 in Hameln geboren. Foto: Jermaine Francis/Beats International/dpa

Autor:

Werner Herpell
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Der weltberühmte Glockenklang des Londoner Big Ben eröffnet das neue Album von Max Richter. Danach lässt der zurzeit wohl angesagteste Komponist für neue klassische Musik erst einmal Virginia Woolf zu Wort kommen: Die große englische Romanautorin, deren Leben vor 75 Jahren durch Suizid endete, ist in einer 60-sekündigen BBC-Aufnahme von 1937 zu hören. Ein Gänsehautmoment für Literaturliebhaber, dem im Laufe der nächsten Stunde das bisherige Opus magnum des vor 50 Jahren im niedersächsischen Hameln geborenen britischen Musikers folgt.

„Three Worlds: Music From Woolf Works“ ist eine sehr ernsthafte, sehr eindringliche Hommage an Virginia Woolf (1882–1941), und damit zwangsläufig alles andere als leichte Kost. Drei Schlüsselwerke der manisch-depressiven Dichterin aus den 20er und 30er Jahren hat Richter dafür vertont und zu einer Art Neoklassik-Triptychon verbunden.

Für jedes der drei Stücke findet er eine eigene, niveauvolle Klangsprache: von bildstarker Kammermusik mit Streichquintett und Klavier (Mrs. Dalloway), über teils wuchtige, teils hauchzarte Orchester/Elektronik-Collagen (Orlando) bis zu einem 21-minütigen, tieftraurigen Choral (The Waves). Den berührenden Abschiedsbrief von Virginia Woolf an ihren Ehemann rezitiert die US-amerikanische Schauspielerin Gillian Anderson, die souveräne Leitung des Deutschen Filmorchesters Babelsberg liegt bei Robert Ziegler. Eine Grundlage dieses außergewöhnlich schönen Albums bildet Richters Komposition für „Woolf Works“, die erste große Produktion des Choreografen Wayne McGregor am Londoner Royal Ballet. Die Uraufführung am Royal Opera House im Jahr 2015 wurde bei den renommierten Olivier Awards zur besten neuen Tanzproduktion gekürt.

Virginia Woolf Foto: dpa

„Als wir anfingen, über das Ballett zu sprechen, (...) suchte ich nach allem Möglichen: nach Fotos, Memoiren, Biografien. Ich hatte nie erwartet, auf eine Aufnahme von Virginia zu stoßen – übrigens die einzige, die erhalten ist“, erzählt Richter über den Ursprung seines neuen Werks. „Es ist eine fantastische Zeitmaschine, durch die wir ihre Stimme erleben können und die Art, wie sie Sprache nutzt.“ Mit seiner Verbeugung vor Virginia Woolf geht Max Richter nun klar über seine erfolgreichen Soundtrack-Arbeiten und bisherige Klassik-Crossover-Ansätze hinaus. Für Aufsehen hatte er bereits mit einer kühnen Neuinterpretation des fast totgespielten Vivaldi-Klassikers „Die vier Jahreszeiten“ gesorgt. Beide Alben brachten ihm Platzierungen in den deutschen Albumcharts ein.



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