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In einer Woche schenkt sich Hameln das Weihnachtsoratorium: Ein Besuch bei einer der letzten Chorproben

„Nach langen Tönen müsst ihr lüften!“

Hameln (eaw). Es ist Freitagabend. Auf dem Pferdemarkt drängen glühweinselige Menschen über den von Tausenden bunter Lichter erleuchteten Weihnachtsmarkt. Die Stimmung ist voll ausgelassener Fröhlichkeit. Aus zahllosen Lautsprechern dudeln die bekannten Weihnachtssongs. Nur wenige Schritte entfernt, im großen Saal im „Haus der Kirche“ dagegen, läuft ein Kontrastprogramm: Statt „Jingle Bells“ steht hier Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf dem Programm.

veröffentlicht am 19.12.2014 um 18:09 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 14:21 Uhr

Noch eine Woche, dann muss jeder Ton sitzen: Hans Christoph Becker-Foss treibt den Chor zur Höchstleistung an. eaw
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Hameln (eaw). Es ist Freitagabend. Auf dem Pferdemarkt drängen glühweinselige Menschen über den von Tausenden bunter Lichter erleuchteten Weihnachtsmarkt. Die Stimmung ist voll ausgelassener Fröhlichkeit. Aus zahllosen Lautsprechern dudeln die bekannten Weihnachtssongs. Nur wenige Schritte entfernt, im großen Saal im „Haus der Kirche“ dagegen, läuft ein Kontrastprogramm: Statt „Jingle Bells“ steht hier Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium auf dem Programm. Es ist eine der letzten Chorproben für den großen Kantaten-Gottesdienst mit allen sechs Teilen des Bach’schen Meisterwerks in der Marktkirche St. Nicolai.
 Im grellen Neonlicht des hell erleuchteten Raumes drängen sich Sängerinnen und Sänger, die teils von weit her angereist sind. Vorne, leicht erhöht, sitzt, von seiner Frau auf einer Kastenorgel begleitet, der Initiator des Projekts, Hans Christoph Becker-Foss. Mehrere Chöre hat Becker-Foss zu einem gewaltigen Klangkörper zusammengefasst, so etwa die Hamelner Kantorei samt Ehemaligen, die junge Kantorei an der Marktkirche sowie einen eigens für diesen Anlass ins Leben gerufenen Projektchor des Viktoria-Luise-Gymnasiums.
 Ohne lange Vorrede beginnt die Probenarbeit. Becker-Foss legt ein beachtliches Tempo vor. Höchste Aufmerksamkeit ist angesagt. Einige kurze, aber unmissverständliche Anmerkungen zur Notation, dann die Ansage: „Achtung Alt, bitte ab 132 noch einmal, nein, nein, nein, ihr singt immer falsch.“ Becker-Foss ist unnachgiebig, spart weder mit Kritik noch mit Lob: „Nach langen Tönen müsst ihr lüften! Noch mal. Gut so, geht doch.“
 Einmal will er an diesem Abend mit dem Programm durchkommen, sagt er. Trotz der Anstrengung scheint sich die Energie des Chorleiters auf die dicht gedrängt um ihn herum Sitzenden zu übertragen. Statt Ermüdung wachsen Motivation und Freude am Gesang spürbar.
 Auch Sina Günther und Elisabeth Hess in der ersten Reihe lassen nicht nach, wollen sich verbessern. Die beiden Mädchen sind Schülerinnen des Hamelner Viktoria-Luise-Gymnasiums. Sina Günther aus dem 11. Jahrgang ist Mitglied im berühmten Mädchenchor Hannover, wo sie ihre Stimme ausbilden lässt.
 „Vor zwei oder drei Monaten hatte unsere Musiklehrerin Ute Sandfuchs gefragt, ob wir beim Weihnachtsoratorium mitmachen wollen. Daraufhin wurde ein Projektchor gegründet.“ In dem haben sich sechs Schülerinnen und Schüler zusammengefunden. Der Reiz dabei? Sina braucht nicht lange zu überlegen: „Also beim Weihnachtsoratorium von Bach mitzuwirken, das ist was ganz Besonderes, das ist was Großes!“
 Auch Joel Enß und Lukas Willms sind im Vikilu-Projektchor mit dabei. „Eigentlich konnte jeder mitmachen, besonders talentiert brauchte man nicht zu sein“, erklären Sina und Elisabeth mit deutlichem Understatement in der Probenpause. „Na ja, Leute, die krächzen, statt zu singen, die gibt’s bei uns am Vikilu sowieso nicht“, stellen die beiden Mädchen amüsiert fest.
 Dann ist die Pause auch schon wieder vorüber und Becker-Foss treibt seine Sängerinnen und Sänger unerbittlich voran. Das Werk ist schwer und lang, die Zeit dagegen kurz. „Los geht’s“, sagt Becker-Foss. „Genug der Pause, jetzt müsst ihr wieder Schwung kriegen!“
 Das Weihnachtsoratorium wird am 26. und 27. Dezember jeweils um 16 Uhr in der Marktkirche St. Nicolai aufgeführt. Wer die Aktion „Hameln schenkt sich das Weihnachtsoratorium“ unterstützen möchte, kann nach wie vor bei folgenden Verkaufsstellen Taktpakete für sieben Euro kaufen:

  • Dewezet-Ticketshop, Osterstraße 15
  • Buchhandlung Matthias, Bäckerstraße 56
  • Bücherstube Seifert, Osterstraße 37
  • Vinothek Vin & Vini, Osterstraße 17
  • Q’Antati Weltladen, Pferdemarkt
  • Marktkirche St. Nicolai
  • Radio Aktiv, Deisterallee 3
  • Münster St. Bonifatius, Münsterkirchhof 7
  • Blumen Ehlerding, Deisterstraße 90

Weitere Informationen über das Hamelner Weihnachtsoratorium gibt es im Internet unter www.weihnachtsoratoriumhameln.de



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