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Warming up mit dem „Gospelchor auf Zeit“ und dann das Jazz-Ensemble Sarah Kaiser & Band in St. Augustinus

Musikwochen: Paul Gerhardts Lieder im Jazzformat

Hameln. Traditionell ist ein Konzert der Musikwochen Weserbergland der leichteren Muse gewidmet. In diesem Jahr engagierte Christiane Klein „Sarah Kaiser & Band“ und stellte damit erneut ihr Gespür für etwas Besonderes unter Beweis. Bevor das Jazz-Ensemble auftrat, bestritt der „Gospelchor auf Zeit“ des Kirchenkreises Holzminden-Bodenwerder unter der Leitung von Christiane Klein das „warming up“. Vier temperamentvoll und stimmstark gesungene Gospels erklangen – viel Beifall – und dann hieß es im übertragenen Sinn: Bühne frei für die Jazzer.

veröffentlicht am 25.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:21 Uhr

Musikwochen Weserbergland mit dem Jazz-Ensemble Sarah Kaiser& Ba

Autor:

Karla Langehein
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Paul Gerhardt als Marktlücke

Alle Mitglieder dieses Jazz-Quintetts, das vor rund sechs Jahren mit seinen Bearbeitungen von Paul Gerhardt eine Marktlücke entdeckte, haben ihr Handwerk bei profilierten Lehrmeistern studiert. So lückenlos perfekt wie ihr Zusammenspiel, so begeisterten auch ihre Soli. Überragend: der Saxophonist Olaf Schönborn. Sein virtuoses Spiel mit Atem und Klappen zu Beginn seines Solos – seine Klangschattierungen, in denen das Sopransaxophon wie eine menschliche Stimme anmutete – das war exzellent.

Unter Verzicht auf den Einsatz der Becken entlockte Lars Binder den Fellen der Drums eine bemerkenswerte rhythmische Vielfalt. Rollenbedingt zumeist mehr oder weniger im Hintergrund blieb Bassist Martin Simon. Schade, dass er sein Solo auf dem E-Bass spielte und nicht auf dem daneben liegenden großen Bass, dessen Klang doch weitaus interessanter ist.

Am Piano wirkte Samuel Jersak, Pianist, Produzent, Komponist in einer Person und überdies auch der Arrangeur aller Nummern. Arrangements, die, in sich stimmig, vor allem der Sängerin genügend Raum für improvisatorische Einwürfe lassen.

Und Sarah Kaiser, eine Jazz-Sängerin mit großer Ausstrahlung, nutzt diese Räume perfekt. Ihre Paul-Gerhardt-Adaptionen beginnen mit einer eng an der Originalmelodie orientierten Fassung, um sich immer weiter vom Ursprung zu entfernen. Damit weicht der Charakter der schlichten Strophenmelodien, in denen Paul Gerhardts Texte das zentrale Gewicht haben, einer freien Form. In ihr verschiebt sich, zumal mit großer Stimme und höchster Intensität vorgetragen, das Schwergewicht vom Text auf das musikalische Geschehen, das nun die ganze Aufmerksamkeit der Hörer – nicht zuletzt auch mit grenzwertiger Lautstärke – an sich zieht.

Missbrauch von Kulturgut

Bei aller Qualität der Darbietung sei am Ende doch die Frage erlaubt, ob die Verjazzung miteinander verwachsener traditioneller Kirchentexte und –melodien einen Missbrauch von Kulturgut darstellt und trotzdem toleriert wird. In unserer Zeit wäre es angemessen, eigene musikalische Stilmittel und textliche Ausdrucksformen des Glaubens zu entwickeln und auf jegliche Adaptionen zu verzichten.

Dass dies möglich ist, zeigte sich am Beispiel eines der leisesten und schönsten Stücke dieses Konzerts, der Eigenkomposition „Es ist gut, wie es ist“. Mit diesem Text zwischen traurig und getröstet und einer Stimmung, die der Komponist Samuel Jersak mit einem schlichten Sext-Quint-Ostinato sensibel unterstrich, war es zweifellos ein Höhepunkt des Konzerts.



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