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Ein Menschenversteher: Der hannoversche Dichter Friedhelm Kändler ist 60 geworden

Mittlerweile wagt er sich an Lyrik heran

Hannover. In Hameln war er schon oft gerngesehener Gast auf Kleinkunstbühnen. Die Diseuse Alix Dudel sang hier Chansons mit seinen Texten. In Hannover feiert er am Montag seinen 60. Geburtstag mit einem Fest im GOP-Varieté: Friedhelm Kändler. Statt für den Lehrerberuf entschied er sich fürs Dichterleben und spricht im Interview über seine Arbeit.

veröffentlicht am 04.02.2011 um 14:57 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

Heike Schmidt
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Herr Kändler, lassen Sie uns über Gefühle reden…

… das ist ja schön!

... über Sprachgefühl ...

... Sie meinen Rhythmus? Immer weniger Leute haben ihn. Vielleicht ist diese Einschätzung eine Sache des Alters. Wenn man älter wird, neigt man dazu, die Welt mit der zu vergleichen, die einmal war, dann hat man die Neigung zu denken: Da fehlt doch was.

Ihre Texte leben auch davon, laut gelesen zu werden – man denke an Ihr gereimtes „Dornrösch-en“. Was war das für ein Gefühl, als Sie zum ersten Mal einen Text von sich auf der Bühne gehört haben?

Schwierig. Aber da kann ich Ihnen eine Anekdote erzählen: Ich hatte eine Moderation, und der Text zu „Dornröschen“ war noch nicht fertig. Ich wollte ausprobieren, ob er funktioniert, und habe angefangen, ihn vorzutragen. Und dann habe ich mich total gewundert, dass auf einmal Scharen von Menschen in das Zelt strömten.

Das Ende war noch nicht fertig?

Ich habe mir einfach etwas ausgedacht.

Das sagt vieles über Ihre Arbeit aus: Nicht jedes Gedicht bierernst zu nehmen, nicht alles interpretieren zu wollen.

Jemand hat mal über mich gesagt, ich würde mit Wörtern wie mit Autos spielen. Es mag respektlos sein, aber ich denke nicht, dass jedes Wort auch einen Inhalt hat. Bei Bedeutungen werde ich im Allgemeinen misstrauisch.

Warum?

Weil sie vieles überlagern. Und wer sagt mir, dass die Bedeutung, die der eine dem Wort zugesteht, auch für den anderen gilt?

In vielen Ihrer Texte geht es um Frauengeschichten. Man denke nur an die kleine Tirade, in der sich eine Frau vor der Anmache eines Mannes wortreich wehrt. Sind Sie ein Frauenversteher?

Nein, ein Frauenversteher bin ich bestimmt nicht (lacht), eher ein Menschenversteher. Ich kann mich sehr gut einfühlen.

Sprechen Sie im Bad vor sich hin, so wie andere unter der Dusche singen?

Ja, so ähnlich. Ich sitze hinter der Tür, hinter einer offenen Tür, zwischen Tür und Wand und schreibe. Ich habe ja immer fürs Theater, für die Proklamation geschrieben.

Manche ihrer Texte sind stille Lesetexte. Auch dabei kommt es auf den Rhythmus, das Sprachgefühl an, oder?

Genau.

Aber Sie meinen, dass es immer weniger Menschen gibt, die das Gefühl haben.

Ja. Und mein Ziel war es nie, Massenware zu produzieren.

Zurzeit arbeitet Friedhelm Kändler weniger für die Bühne, sondern schreibt Erzählungen. „Ich möchte etwas schreiben, was man leise für sich lesen kann, ohne zu stolpern“, sagt er.



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